Das Gesetz des Erfolgs
von Napoleon Hill






Ein klares Ziel

Das wichtigste Wörtchen in diesem Kursteil heißt "klar."

Es ist bestürzend, dass fünfundneunzig Prozent der Menschen auf der Welt ziellos durchs Leben gehen, ohne auch nur die geringste Vorstellung davon zu haben, für welche Arbeit sie am besten geschaffen sind oder auch nur die leiseste Ahnung davon zu haben, dass so etwas wie ein klares Lebensziel eine Notwendigkeit darstellt.

Für die Wahl eines klares Lebensziel besteht sowohl eine psychologische wie auch eine ökonomische Ursache.

Jedes vorrangige Ziel, das mit der Absicht der Verwirklichung bewusst im Geiste gehalten und verankert wird, sättigt das gesamte Unterbewusstsein letztendlich dermaßen, bis dieses die physische Aktion des Körpers automatisch beeinflusst und auf das Ziel hin handeln lässt.

Ihr zentrales Ziel im Leben sollten Sie mit Bedacht wählen und nachdem Sie sich dafür entschlossen haben, sollten Sie es schriftlich zu Papier bringen und an einer Stelle anbringen, an der Sie es mindestens einmal täglich zu sehen bekommen. Damit prägen Sie es Ihren Unterbewusstsein so nachhaltig ein, dass es diese Vorgabe als Wegweiser akzeptiert, dem es Schritt für Schritt zu folgen hat, bis Sie das Ziel erreicht haben.

Das psychologische Prinzip, über das Sie Ihr zentrales Ziel Ihrem Unterbewusstsein einprägen können, ist als Autosuggestion bekannt, das heißt, es handelt sich um eine Suggestion, die Sie sich wiederholt selbst geben.

Dies ist in gewissem Maße eine Selbsthypnotisierung, lassen Sie sich aber von diesem Begriff nicht beunruhigen; es ist dasselbe Prinzip, das Napoleon Bonaporte geholfen hat, sich von einem ärmlichen Korser an die Spitze Frankreichs zu bringen.
Über dieses Prinzip konnte Thomas A. Edison von seinen bescheidenen Anfängen zum führenden Erfinder auf der Welt avancieren. Dieses Prinzip war es auch, dass es einem in einer Berghütte in Kentucky geborenen Abraham Lincoln ermöglichte, zum Präsidenten der Vereingten Staaten aufzusteigen.
Und diesem selben Prinzip verdankt ein Theodore Roosevelt seine Führerschaft als Präsident der USA.

Solange Sie sicher sind, dass Ihnen das von Ihnen angestrebte Ziel dauerhaftes Glück bringt, brauchen Sie vor dem Prinzip der Autosuggestion keinerlei Angst zu haben.

Achten Sie darauf, dass Ihr Lebensziel konstruktiver Art ist, dass Ihnen sein Erreichen Seelenfriede und Wohlstand bescheren und dass niemand daraus Nachteile zu erleiden hat.

Dann wenden Sie es für die beschleunigte Verwirklichung Ihrer Träume an.

An der Straßenecke, genau gegenüber von dem Zimmer, in dem ich jetzt schreibe, sehe ich einen Mann stehen, der dort den ganzen Tag lang Erdnüsse verkauft. Ich sehe einen Erdnussverkäufer. Er ist ständig beschäftigt. Wenn er nicht gerade einem Passanten Erdnüsse verkauft, ist er mit dem Rösten und Einpacken beschäftigt.

Dieser Mann gehört zum großen Heer der fünfundneunzig Prozent, die kein klares Lebensziel verfolgen. Er verkauft seine Erdnüsse nicht etwa, weil ihm diese Arbeit besser gefiele als jede andere, sondern weil er sich nie die Mühe gemacht hat, über seinen Lebenssinn nachzudenken und eine Aufgabe zu finden, die ihm eine größere Rendite brächte. Er verkauft Erdnüsse, weil er Treibholz im Meer des Lebens ist und eine der Tragödien seiner Arbeit ist der Umstand, dass ihm derselbe Aufwand, in andere Kanäle gelenkt, einen vielfachem Erlös brächte.

Eine weitere Tragödie im Leben dieses Mannes ist es, dass er sich unbewusst der Autosuggestion bedient, jedoch zu seinem eigenen Nachteil.
Falls man ein Abbild seiner Gedanken zeichnen könnte, befänden sich darauf sicherlich nichts anderes als ein Erdnussröstgerät, ein paar Papiertüten und eine umstehende Menge kaufwilliger Kunden. Dieser Mann könnte dem Erdnussverkauf den Rücken kehren, wenn er zunächst über die Vision und den Ehrgeiz verfügte, sich in einem lukrativeren Geschäft zu sehen und wenn er die Ausdauer hätte, dieses Bild solange in seinem Denken zu halten, bis ihn sein Unterbewusstsein veranlasst, die notwendigen Schritte zu ergreifen. Er betreibt seine Arbeit mit einem beträchtlichen Aufwand; würde er denselben Aufwand in eine Arbeit stecken, die auf ein zentrales Ziel ausgerichtet ist, wäre die Belohnung um ein Vielfaches größer.

Einer meiner engsten Freunde ist einer der bekanntesten Schriftsteller und Redner des Landes. Vor etwa zehn Jahren wurden ihm die Möglichkeiten der Selbstsuggestion bewusst und er fing sofort damit an, sie in die Tat umzusetzen. Er erstellte einen Plan für die praktische Anwendung, der sich als sehr wirksam erwies. Damals war er weder schriftstellerisch tätig noch hatte er irgendeine Rednererfahrung.

Jede Nacht vor dem Schlafengehen schloss er seine Augen und stelle sich in seiner Vorstellung einen langen Konferenztisch vor, um den herum (in seiner Vorstellung) einige weithin bekannte Männer saßen, die er in seine Persönlichkeit integrieren wollte.
Am Tischende platzierte er Lincoln, seitlich saßen Napoleon, Washington, Emerson und Elbert Hubbard. Dann nahm er mit diesen imaginären Personen ein Gespräch auf, etwa in folgendem Stil:

    Mr. Lincoln, ich möchte mir Ihre Geduld und Ihre Fairness aneignen.
    Ihr humorvolles Wesen und Ihr freundlicher Umgang mit jedermann gefallen mir gut. Ich benötige diese Fähigkeiten und werde erst ruhen, wenn ich sie erlangt habe.

    Mr. Washingon, von Ihnen möchte ich gerne Ihr Tatkraft und Ihre Führungseigenschaften übernehmen.

    Mr. Emerson, ich möchte Ihre Vision und die Fähigkeit, die Gesetze der Natur interpretieren zu können, in meinen Charakter aufnehmen.

    Napoleon, von Ihnen möchte ich die Fähigkeit übernehmen, Hindernisse überwinden zu können und aus Fehlern zu lernen. Ich möchte gestärkt aus Niederlagen hervorgehen.

    Mr. Hubbard, mein Wunsch ist es, mich ebenso klar, konzise und eindringlich ausdrücken zu können wie Sie.

Nacht für Nacht spielte dieser Mann diese Prozedur monatelang geistig durch und versammelte diesen imaginären Rat.

Auf diese Weise prägte er seinem Unterbewusstsein deren herausragende Eigenschaften ein und entwickelte sich zu einer Persönlichkeit, die eine Kombination aus all diesen Charaktereigenschaften beinhaltete.

Das Unterbewusstsein lässt sich mit einem Magneten vergleichen. Sobald es mit einem zentralen Ziel durchtränkt ist, besitzt es eine ausgeprägte Tendenz alles anzuziehen, was für die Erreichung dieses Ziels nötig ist. Gleiches zieht Gleiches an. Dieses Gesetz können Sie bei jedem Grashalm und bei jedem wachsenden Baum sehen. Die Eichel zieht aus der Erde und aus der Luft alle notwendigen Stoffe an, die nötig sind, damit eine Eiche wachsen kann. Jedes Gerstenkorn, das in die Erde gepflanzt wird, zieht die Stoffe an, die für Gerste nötig sind.

Dabei kommen nie Fehler vor, auch wenn Eichel und Gerstenkorn nebeneinander in derselben Erde ruhen.

Auch für Menschen gilt dieses Gesetz der Anziehung. Suchen Sie in einer beliebigen Stadt eine billige Absteige auf und Sie werden dort Gleichgesinnte vorfinden. Besuchen Sie aber ein Luxushotel und Sie werden dort ebenfalls Gleichgestinnte vorfinden. Erfolgreiche suchen wiederum die Gesellschaft anderer Erfolgreicher, während sich Erfolglose wieder am wohlsten bei anderen Erfolglosen fühlen.

So wie Wasser mit Sicherheit immer in die Waagrechte geht, sucht der Mensch die Gesellschaft derer, die seinem finanziellen und geistigen Status entsprechen.

Ein Professor an der Yale-Universität und ein des Lesens unkundiger Landstreicher haben nichts gemein. Beide würden sie sich nicht wohl in ihrer Haut fühlen, wenn sie längere Zeit miteinander verbringen müssten. Öl und Wasser verschmischen sich ebenso schwer wie Männer, die keine Gemeinsamkeiten haben.

All das bringt uns zu folgender Aussage:

Sie werden Menschen anziehen, die mit Ihrer eigenen Lebensphilosophie übereinstimmen, ob Sie das wollen oder nicht. Da dem so ist, ist es unabdingbar, dass Sie Ihrem Unterbewusstsein ein klares Lebensziel einprägen, wodurch Sie Menschen anziehen, die Ihnen zur Seite stehen und nicht solche, die Ihnen im Wege stehen.

Nehmen wir an, dass Ihr zentrales Ziel wesentlich über Ihrem jetzigen Status liegt. Was nun? Es ist Ihr Recht - nein, es ist Ihre Pflicht, hoch hinauszuwollen. Sie sind es sich selbst und der Gemeinschaft, in der Sie leben, schuldig, bei sich selbst eine hohe Messlatte anzulegen.

Vieles deutet darauf hin, dass alles, was innerhalb vernünftiger Grenzen vorstellbar ist, auch erreichbar ist, sofern das zentrale Ziel klar ausgeprägt ist.
Vor einigen Jahren wurde Louis Victor Eytinge im Staatsgefängnis von Arizona zur lebenslangen Haft verurteilt. Nach Verbüßung seiner Haft war er nach eigener Aussage ein "schlechter Mensch". Dazu kam die Diagnose, dass er innerhalb Jahresfrist an Tuberkulose versterben würde.

Eytinge hatte allen Grund, um aufzugeben und entmutigt zu sein. Die Öffentlichkeit war gegen ihn eingenommen und er hatte auf der Welt keinen einzigen Freund, der ihm Hilfe angeboten hätte.

Dann geschah etwas, das ihm seine Gesundheit wieder gab und ihm auch die innere Freiheit schenkte.

Was war das?

Nur das: Er hatte sich entschlossen, der weißen Pest den Garaus zu machen und wieder völlig gesund zu werden. Das war nun sein klar umrissenes zentrales Ziel. In nicht mal einem Jahr, nachdem er seinen Entschluss gefasst hatte, hatte er gewonnen.
Seine inneren Gefängniswände schmolzen hinweg.

Keine leidlichen Umstände sind stark genug, um einen Mann oder eine Frau, die das Prinzip der Autosuggestion verstanden hat und bei der Erschaffung eines klaren zentralen Ziels anwendet, in die Knie zu zwingen. Ein solcher Mensch kann die Fesseln der Armut abstreifen, er kann die tödlichsten Krankheitskeime vernichten und zu Glanz und Glore emporsteigen.

Alle großen Führungspersönlichkeiten bauen ihre Führungskraft auf einem klaren zentralen Ziel auf. Die Anhänger folgen diesen Menschen gerne, wenn sie wissen, dass ihr Anführer ein klares zentrales Ziel hat und es tatkräftig verfolgt. Sogar ein störrisches Pferd weiß, wenn der Fuhrknecht ein klares zentrales Ziel hat und die Zügel fest in seiner Hand hält.

Ein Mensch mit einem klaren Hauptziel geht immer seinen Weg, aber einem Zauderer, der nicht weiß, in welche Richtung er sich wenden soll, wird ständig auf die Füsse getreten.

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