Die Erfolgsformel
Ihr Weg vom Ist zum Soll




Seelische Kräfte

Ist Ihnen schon aufgefallen, dass im Wort „Begeisterung“ das Wort „Geist“ steckt? Ein anderer Ausdruck hierfür lautet „Enthusiasmus“.

Was bedeutet dieses Wort?

Das Wort „Enthusiasmus“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich „von Gott bessessen, von göttlicher Eingebung inspiriert.“ Es wurde verwendet, um den Geisteszustand eines inspirierten Menschen zu beschreiben, der unter dem Einfluss einer höheren Macht zu stehen scheint. Heute wird der Begriff allgemein für eine gesteigerte Freude oder ein besonderes Engagement gebraucht.

Manchmal ist damit auch ein intensives Interesse auf einem speziellen Gebiet gemeint.
Die wirkliche und ursprüngliche Bedeutung ist jedoch ein brennender Eifer, ein Sicheinsetzen für seine Ideale. Die wahre Begeisterung ist also eine kraftvolle Geisteseinstellung für oder auch gegen eine bestimmte Idee.

Ein begeisterter Mensch scheint in der Tat von einer Macht oder von etwas Höherem als er selbst inspiriert zu sein; er zapft eine Machtquelle an, die ihm normalerweise nicht bewusst ist. Das Ergebnis ist, dass er zu einem starken Magneten wird, der in alle Richtungen Anziehungskräfte ausstrahlt und andere mitzieht. Denn die Begeisterung ist ansteckend und verleiht dem Begeisterten Anziehungskraft, macht ihn zum Zentrum der geistigen Einflussnahme. Die Macht, mit der er erfüllt ist, kommt jedoch nicht von außen. Sie kommt aus gewissen inneren Regionen seines Geistes und seiner Seele – aus seinem inneren Bewusstsein. Leser, die unser Büchlein „Das innere Bewusstsein“ kennen, werden sofort erkennen, von welchem geistigen Teil dieses Macht herstammt. Begeisterung oder Enthusiasmus ist eine seelische Kraft; wenn sie wirklich empfunden wird, wird sie von allen anderen, die mit einem solchen Menschen in Berührung kommen, erkannt und gespürt.

Ohne ein gewisses Maß an Begeisterung hat noch nie jemand Erfolge errungen. Und wird dies auch nie tun. Im persönlichen Kontakt gibt es keine andere Macht, die sich mit der Begeisterung messen lässt. Sie beinhaltet Ernsthaftigkeit, Konzentration und Kraft und nur wenige Menschen können sich ihrem Bann entziehen. Nur wenige Menschen erkennen den wahren Wert der Begeisterung. Vielen ist aufgrund der Begeisterung Erstaunliches gelungen und viele sind gescheitert, weil es ihnen an Begeisterung mangelte. Die Begeisterung ist der Dampf, der unsere geistige Maschinerie antreibt und der auf diese Weise indirekt Großes in unserem Leben bewirkt. Sie können eine Aufgabe nicht vorbildlich erledigen, wenn Sie daran kein Interesse haben. Und was ist Begeisterung anderes als Interesse plus Inspiration? Ein inspiriertes Interesse, das ist Begeisterung! Über die Kraft der Begeisterung gelngen die großen Dinge im Leben zum Ausdruck und zur Erfüllung. Die Begeisterung ist keine Sache, die der eine besitzt und der andere nicht. Alle Menschen verfügen potenziell über sie, aber nur wenigen ist es gegeben, sie zum Ausdruck zu bringen. Die Mehrheit hat Angst davor, etwas „zu empfinden“, und diese „Gefühle“ dann in machvolle Aktionen umsetzen, wie der Dampf in einen Motor. Die meisten Leute wissen nicht, wie sie den Dampf der Begeisterung entfachen könnten. Sie lassen die Glut des Interesses und Wunsches unter Ihrem geistigen Kessel verglühen und erhalten deshalb niemals den Dampf der Begeisterung. Begeisterung lässt sich entwickeln, indem wir unser Interesse pflegen und unsere Aufgabe lieben. Interesse, Zuversicht und Wunsch entfachen die Begeisterung und es liegt an Ihnen, ob Sie sich darauf so konzentrieren, dass ihre Auswirkungen direkt auf die Sache, die Person oder den Gegenstand gelenkt werden, welche Sie zu bewegen wünschen, oder ob Sie zulassen, dass sie sich wirkungslos verflüchtigen. Wie Dampf kann auch die Begeisterung ergebnislos verdampfen oder zielgerichtet genutzt werden. Hierzu ist es nötig, sie konzentriert auszurichten. Wird sie verschwendet, so bezweckt sie nichts. Je mehr Interesse Sie für etwas aufbringen, umso größer werden Ihre Zuvrsicht und Ihr Wunsch. Hieraus entsteht der Dampf der Begeisterung. Bedenken Sie deshalb immer, dass das Interesse die Mutter der Begeisterung ist.

Der begeisterte Mensch neigt naturgemäß zu einer optimistischen Geisteshaltung. Auf diese Weise verbreitet er um sich eine Atmosphäre der fröhlichen und vertrauensvollen Erwartung, die auch bei anderen Zuversicht auslösen kann und die ihm selbst bei seinen Bemühungen zugute kommt. Er umgibt sich mit einer geistigen Aura des Erfolgs – er schwingt auf der Erfolgsebene – und andere, die in seine Gesellschaft kommen, nehmen seine Schwingungen unbewusst auf. Die Begeisterung ist sehr ansteckend und jemand, der mit der richtigen Qualität, Art und dem richtigen Maß von Begeisterung erfüllt ist, vermittelt sein Interesse, seine Ernsthaftigkeit und seine Erwartungshaltung unbewusst auch anderen Menschen. Eine große Rolle spielt die Begeisterung auch beim so genannten persönlichen Magnetismus. Dies ist eine lebendige, warme und vitale geistige Eigenschaft, die den Puls dessen, der sie anwendet, schneller macht, aber auch andere, die damit in Berührung kommen, mitreißt. Sie ist nicht zu vergleichen mit der kaltblütigen Gleichgültigkeit, der man im Geschäftsleben so häufig begegnet und die viele Abschlüsse vereitelt und viel Gutes ungetan bleiben lässt.

Jemand, dem es an Begeisterung fehlt, wird seiner persönlichen Einflusskraft mehr als um die Hälfte beraubt. Seine Argumente mögen noch so überzeugend sein und seine Offerten noch so günstig, wenn er ihm an der warmen Kraft der Begeisterung mangelt, gehen seine Bemühungen meistenteils ins Leere und er erzielt nur dürftige Ergebnisse. Denken Sie an die Vertreter, welche Sie angesprochen haben und wie einige von ihnen die klamme Atmosphäre eines feuchten Kellergewölbes hinterlassen haben, während andere dafür sorgten, dass sich nach vorne neigten, weil Ihr Interesse und Ihre Begeisterung geweckt wurden. Analysieren Sie den Eindruck, den verschiedene Leute, mit denen Sie in Kontakt gekommen sind, bei Ihnen hinterlassen haben und Sie werden rasch feststellen, welch starke Kraft die Begeisterung ist. Denken Sie nicht zuletzt auch an die Wirkung, die die Begeisterung bei Ihnen selbst hinterlässt, wenn Sie sie verspüren. Die Begeisterung ist geistiger Dampf – denken Sie immer daran!

Vor ein paar Tagen wurde in einer der bekannten Hochschulen des Landes zum Ehrung eines früheren Absolventen dieser Schule eine Tafel angebracht. Dieser junge Mann rettete bei einem Sturm auf einem See siebzehn Menschen das Leben. Er schwam immer wieder hinaus und brachte einen nach den anderen heil ans Ufer. Vor lauter Erschöpfung wurde er letztendlich ohnmächtig. Als er sein Bewusstsein wiedererlangte, waren seine ersten Worte: „Jungs, habe ich mein Bestes gegeben?“

Die Worte dieses jungen Mannes bringen die große Frage zum Ausdruck, die jeden Wahrheitssucher auf seinem Weg zum Erfolg beschäftigen sollten, damit er so leben und handeln möge, dass er diese Frage bejahren könne. Es geht nicht so sehr darum, ob „ich genug tat“ oder „so viel wie andere tat“, sondern darum, ob ich „mein Bestes gab“.

Der Mensch, der sein Bestes gibt, kann nicht versagen. Ein solcher Mensch ist immer erfolgreich und falls das Beste nur eine Kleinigkeit gewesen sein sollte, verdient er dennoch einen Lorbeerkranz, weil er siegreich war. Derjenige, der sein Bestes gibt, wirft das Handtuch nie, er lässt sich niemals unterkriegen. Er bleibt seiner Aufgabe treu, bis das Beste in ihm, wozu er zu diesem Augenblick in der Lage war, hervorgebracht ist. Ein solcher Mensch verdient tosenden Beifall!

Der Mensch, der sein Bestes gibt, wird niemals die pessimistische Frage stellen: „Wozu soll es gut sein?“ Darüber zerbricht er sich seinen Kopf nicht. Er macht beharrlich weiter und ist erst zufrieden, wenn er sein Bestes gegeben hat. Und wenn er die große Frage mit einem ehrlichen „Ja, ich habe mein Bestes gegeben“ beantworten kann, dann kann er auch die Frage nach dem „Wozu soll das gut sein?“ beantworten. Es war dazu gut, dass er das Beste aus sich herausgebracht hat und wenn es nur gewesen sein sollte, um in seiner Eigenentwicklung Fortschritte zu machen. Er hat sich selbst weitergebracht.

Die grässliche Frage nach dem „Wozu ist es gut?“ scheint von einem schwarzseherischen Wicht erdacht worden zu sein, der nichts Besseres im Sinn hatte, als Menschen zu entmutigen und klein zu halten. Sie hat vielen Menschen Scheitern und Versagen eingebracht. Vertreiben Sie diese Höllenfrage aus Ihrem Denken, wenn Sie sich Zutritt verschaffen will und ersetzen Sie sie durch die Frage: „Gebe ich mein Bestes?“ Die Bejahung dieser Frage macht die andere Frage überflüssig. Alles ist „zu etwas gut“, wenn es mit der richtigen Geisteshaltung vollbracht wird und wenn es den einzelnen Menschen oder die Menschheit weiterbringt. Lesen Sie folgende Geschichte, die kürzlich in einer Zeitschrift erschien: Sie handelt von einem Matrosen auf dem Wrack eines deutschen Kerosindampfers, der an der Küste von Neufundland in der ersten Hälfe des Jahres 1901 gegen einen Fels lief. Der Dampfer hatte Feuer gefangen und wurde etwa acht Meilen von der Küste zu einem Unterwasserriff getrieben. Die Steilküste war etwa vierhundert Fuß hoch. Als der Morgen anbrach, bemerkten die Fischer am Ufer, dass ihre Boote verschwunden waren und die gesamte Besatzung und auch die Offiziere waren offensichtlich ebenfalls verschwunden – mit Ausnahme von drei Männern. Zwei dieser Männer standen auf der Schiffsbrücke, der dritte darüber an einer Takelage festgebunden. Später sahen die Beobachter, dass eine rießige Welle gegen das Schiff peischte und die Brücke sowie die darauf stehenden beiden Männer mit sich riss. Einige Stunden später bemerkten sie, dass sich er angebundene Mann losband und seine Arme wuchtig gegen seinen Körper schlug, offenbar, um seinen Blutkreislauf anzuregen, der durch das Festzurren und die extreme Kälte gelitten hatte. Dann zog der Mann seinen Mantel aus, winkte damit den Fischern auf der Klippe zu und sprang dann ins Meer. Man dachte, dass er nun aufgegeben habe und dass er Selbstmord begehen wolle. Aber man täuschte sich in diesem Mann. Er schwam auf die Küste zu, die er auch erreichte. Dort wollte er am Fuße der Klippen hinaufklettern und versuchte dies drei Mal. Aber es gelang ihm nicht. Drei Mal wurde er wieder hinausgeschwemmt und, als er die Aussichtslosigkeit seines Unterfangens einsah, schwam er wieder auf das Schiff zu. Wie einer der Zuschauer berichtet: „In einer solchen Krise hätten neunundneunzig von hundert Männern aufgegeben und wären ertrunken. Aber dieser Kerl war keiner, der aufgab. Nach einem mächigen Ankämpfen gegen die Wellen erreichte der Mann das Schiff, wo er ebenfalls wieder zu kämpfen hatte. Schließlich gelang es ihm, wieder hinaufzukommen. Er klettere wieder auf die Takelage und winkte den Fischern von dort aus zu. Diese konnten ihm jedoch nicht helfen. Er band sich wieder fest und bis in die Dunkelheit hinein konnte man sehen, dass er den Fischern Lebenszeichen gab. Am nächsten Morgen sahen die Fischer, dass ein Kopf auf seine Brust gefallen war. Er war bewegungslos, über Nacht erfroren. Er war tot. Seine Seele hatte ihn verlassen, um ihren Schöpfer zu treffen. Aber wer wagt es zu bezweifeln, dass ein solcher Mann seinem Schöpfer alle Ehre erwies?

Wie der Verfasser, George Kennan, es mit Worten zum Ausdruck brachte, die einen erschaudern lassen: „Dieser Mann starb, wie ein Mann unter widrigen Umständen sterben sollte, bis zuletzt kämpfend.“ Vielleicht sind Sie der Meinung, dass sich dieser Mann törricht verhalten habe. Warum hat er nicht den Tod durch Ertrinken gewählt, dann wäre sein Leidensweg früher zu Ende gewesen. Aber tief in Ihrem Herzen werden Sie nicht anders können, als Achtung vor diesem Manne, seinem Mut und seinem unbezähmbaren Willen zu haben. Er wurde zwar letzten Endes besiegt, aber solange er bei Bewusstsein war, konnten weder Feuer noch Kälte ihn bezwingen.

Die Kaukasier haben folgendes Sprichwort: „Heldentum heißt, einen Augenblick länger ausharren“. Dieser eine Augenblick sagt uns, ob wir es mit einem Handtuchwerfer oder mit jemanden zu tun haben, der „sein Bestes gibt“. Niemand ist tot, solange sein Herz noch schlägt, und niemand ist gescheitert, solange noch ein Funken Kampfesgeist in ihm steckt. „Dieser eine Augenblick“ ist häufig der Moment, in dem das Blatt sich wendet. Der Augenblick, wenn sich die Umstände geschlagen geben.

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