Die Wissenschaft
des gesunden Lebenswandels



von Wallace D. Wattles

Kapitel 2


Das Fundament des Glaubens


Bevor ein Mensch auf rechte Weise denken kann, wodurch seine Leiden geheilt werden, muss er zunächst gewisse Wahrheiten annehmen, welche nachfolgend aufgeführt werden:

Alle Dinge bestehen aus einer einzigen lebenden Substanz, welche in ihrem Urzustand die Zwischenräume des Universums durchdringt und ausfüllt. Zwar bestehen alle sichtbaren Dinge aus ihr, in ihrem formlosen Zustand befindet sich diese Substanz jedoch in allem. Ihr Leben und ihre Intelligenz durchdringen alles.

Diese Substanz erschafft über Gedanken und die Vorgehensweise ist so, dass das Gedachte Gestalt annimmt. Der Gedanke dieser Substanz an eine Form führt zur Annahme dieser Form; der Gedanke an eine Bewegung führt zur Bewegung. Diese Substanz erschafft Formen, indem sie sich in gewisse Orientierungen oder Positionen bewegt.

Wenn die Ursubstanz eine bestimmte Form erschaffen will, denkt sie an die Bewegungen, welche diese Form erzeugen. Wenn sie eine Welt erschaffen will, denkt sie an die Bewegungen, welche eventuell Zeitalter durchlaufen können, und die dann die Form der Welt annehmen. Wenn sie eine Eiche erschaffen will, denkt sie an die aufeinanderfolgenden Bewegungen, die sich in Form einer Eiche zeigen - woraufhin diese Bewegungen erfolgen. Die einzelnen Bewegungsabläufe, die den verschiedenen Formen Gestalt verleihen, bestehen seit Anbeginn und sind unveränderbar. Gewisse von der formlosen Substanz ausgelöste Bewegungen werden immer gewisse Formen zum Entstehen bringen.

Der menschliche Körper ist aus der Ursubstanz gebildet und ist das Ergebnis gewisser Bewegungsabläufe, die zunächst als Gedanken der Ursubstanz bestanden. Die Vorgänge, die zur Erzeugung, Erneuerung und Reparatur des Körpers führen, nennen wir Funktionen. Diese Funktionen werden in zwei Gruppen unterschieden: bewusste und unbewusste Körperfunktionen.

Die unbewussten Funktionen unterliegen der Kontrolle des Gesundheitsprinzips in einem Menschen und laufen auf gesunde Art und Weise ab, solange der Mensch auf eine gewisse Weise denkt. Zu den bewussten Funktionen gehören die Nahrungsaufnahme, das Trinken, das Atmen und das Schlafen. Diese befinden sich ganz oder teilweise unter der Leitung des Tagesbewusstseins eines Menschen und er kann sie auf gesunde Art und Weise durchführen, wenn er will. Wenn er hierbei auf ungesunde Weise vorgeht, bleibt er nicht lange gesund.

Wir sehen also, dass ein Mensch, der auf eine gewisse Weise denkt und sich bei der Aufnahme seiner Nahrung und Getränke, beim Atmen und bei seinen Schlafgewohnheiten entsprechend verhält, gesund sein wird.

Die unbewussten Funktionen im Leben eines Menschen unterliegen der unmittelbaren Kontrolle des Gesundheitsprinzips und solange ein Mensch gesunde Gedanken hegt, werden diese Funktionen problemlos ablaufen, da das Wirken des Gesundheitsprinzips über die bewussten Gedanken eines Menschen gelenkt wird, wodurch sein Unterbewusstsein beeinflusst wird.

Jeder Mensch ist ein Denkzentrale und in der Lage, Gedanken zu verursachen. Da er aber nicht alles weiß, begeht er Fehler und denkt falsch. Da er nicht allwissend ist, hält er Dinge für wahr, die nicht wahr sind. Ein Mensch hat eine gedankliche Vorstellung von kranken und abnormalen Funktionen und Zustände, wodurch er das Wirken des Gesundheitsprinzips pervertiert, was dazu führt, dass in seinem eigenen Körper kranke und abnormale Funktionen und Zustände hervorgerufen werden.

Die Ursubstanz kennt nur Gedanken vollkommener Vorgänge, vollkommener und gesunder Funktionen und eines heilen Lebens. Gott denkt nie an Krankheiten oder Unzulänglichkeiten. Seit unerdenklichen Zeiten denken die Menschen an Krankheit, Abnormalitäten, Alterung und Tod. Und die sich aus diesem Denken ergebende pervertierte Funktionsweise ist zum Erbe der menschlichen Rasse geworden. Unsere Vorfahren haben über Generationen hinweg unvollkommende Vorstellungen von der menschlichen Gestalt und Funktion weitergegeben und so fangen wir das Leben mit unbewussten Eindrücken über die menschliche Rasse an, die von Unvollkommenheit und Krankheit geprägt sind.

Das ist keineswegs natürlich und nicht Teil des Planes der Natur.

Der Zweck der Natur kann nichts anderes sein als die Vervollkommnung des Lebens. Wir sehen dies an der Natur selbst. Es liegt in der Natur des Lebens, sich ständig auf eine vollkommenere Lebensform zuzubewegen; die Fortentwicklung ist das unvermeidbare Ergebnis des Lebens. Eine Verbesserung ist immer das Ergebnis eines aktiven Lebens. Alles was lebt, muss immer mehr leben.

Das in der Scheune lagernde Saatgut trägt Leben in sich, aber es lebt nicht. In den Erdboden gesetzt, fängt es zu wirken an. Und sofort beginnt es, sich aus der Umwelt das zu holen, was er benötigt, um Gestalt anzunehmen. In so erzeugt dieser Samen vielleicht dreißig, sechzig oder gar hundert weitere Samen, von denen ein jeder genauso viel Leben in sich trägt, wie der erste.

Das Leben wird durch das Gelebtwerden lebendiger.

Leben ist ohne ein Größerwerden nicht denkbar und der Hauptimpuls des Leben ist das Gelebtwerden. Als Reaktion auf diesen Hauptimpuls wirkt die Ursubstanz und erschafft. Gott muss leben und Gott kann nur leben, wenn er erschafft und größer wird. Durch die Vervielfältigung des Lebens bewegt sich Gott auf ständig mehr Leben zu.

Das Universum ist ein riesiges, sich fortentwickelndes Leben und der Zweck der Natur ist das Fortschreiten des Lebens hin zu mehr Vollkommenheit und zu einem besseren Funktionieren. Der Zweck der Natur ist die vollkommene Gesundheit.

Was den Menschen betrifft, liegt der Zweck der Natur darin, dass er ständig auf mehr Leben zustrebt und das bestmögliche Leben innerhalb seines Wirkungskreises führe.

Dies muss deshalb so sein, weil das, was im Menschen lebt, nach mehr Leben strebt.

Geben Sie einem kleinen Kind Bleistift und Papier und es wird anfangen, unbeholfene Figuren zu zeichnen. Das, was in ihm lebt, versucht, sich künstlerisch auszudrücken. Geben Sie im einige Bauklötze und es wird etwas bauen wollen. Was in ihm lebt, sucht seinen Ausdruck in der Architektur. Setzen Sie es an ein Kavier und es wird versuchen, den Tasten eine Harmonie abzugewinnen. Was in ihm lebt, sucht seinen Ausdruck in Musik.

Was in einem Menschen lebt, trachtet immer nach mehr Leben, und da der Mensch am lebendigsten ist, wenn es ihm gut geht, kann das Naturprinzip in ihm nur Gesundheit anstreben. Der natürliche Zustand eines Menschen ist vollkommene Gesundheit und alles in ihm und in der Natur ist auf Gesundheit ausgerichet.

Kränklichkeit kann im Denken der Ursubstanz keinen Platz haben, da sie ihrem Wesen nach ständig auf das vollste und vollkommenste Leben ausgerichtet ist - somit auf die Gesundheit. Ein menschliches Wesen erfreut sich so, wie es im Denken der formlosen Substanz besteht, einer vollkommenen Gesundheit. Krankheit, was ja abnormale oder pervertierte Funktionen und unvollkommen ablaufende oder auf ein unvollkommenes Leben ausgerichtete Vorgänge bedeutet, hat im Denken der Höheren Macht keinen Platz.

Der Große Geist denkt nie an Krankheit. Krankeit wurde von Gott nicht erschaffen oder gesandt. Sie ist einzig und allein ein Produkt eines getrennten Bewusstseins des individuellen Menschen. Gott, die formlose Substanz, sieht keine Krankeit, denkt an keine Krankheit, erkennt keine Krankheit. Krankheit ist nur im Denken der Menschen bekannt. Gott denkt ausschließlich an Gesundheit.

Aus den vorgenannten Ausführungen erkennen wir, dass Gesundheit ein Fakt in der Ursubstanz ist, aus der wir ja alle geschaffen sind, und dass Krankeit eine unvollkommene Funktionsweise darstellt, die aus den unvollkommenen Gedanken der Menschen herrüht, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart. Falls sich ein Mensch bisher immer nur als vollkommen gesund betrachtet hat, kann er nur vollkommen gesund sein.

Ein vollkommen gesunder Mensch ist der Gedanke de Ursubstanz und ein Mensch mit gesundheitlichen Problemen ist das Ergebnis seines eigenen Unvermögens, sich vollkommene Gesundheit gedanklich vorstellen zu können und die bewussten Lebenvorgänge auf gesunde Art und Weise ablaufen zu lassen. Wir wollen nun zusammenfassend die Grundwahrheiten eines gesunden Lebenswandels aufführen:


Es gibt eine denkende Substanz, aus der alles besteht. In ihrem Urzustand durchdringt diese Substanz die Zwischenräume des Universums und füllt sie aus. Sie ist das Leben von allem.

Der Gedanke dieser Substanz an eine Gestalt verursacht die gedachte Gestalt. Der Gedanke an einen Vorgang verursacht diesen Vorgang. Mit Bezug auf die Menschen sind die Gedanken dieser Substanz immer auf eine vollkommene Gesundheit ausgerichtet.

Jeder Mensch ist eine Denkzentrale und kann Gedanken erzeugen. Diese Gedanken haben die Macht über sein eigenes Funktionieren. Wenn der Mensch unvollkommende Gedanken denkt und die bewussten Lebensfunktionen auf widernatürliche Weise ausführt, trägt er zu Krankheiten bei.

Wenn der Mensch ausschließlich Gedanken an eine vollkommene Gesundheit pflegt, sorgt er dafür, dass in sich eine vollkommene Gesundheit geschaffen wird. Dabei unterstützt ihn die gesamte Lebenskraft. Diese gesunden Abläufe werden jedoch nur dann weiterhin so wirken, wenn er auch im Äußeren im Einklang mit seinem inneren Denken lebt.

Der erste Schritt eines Menschen muss darin bestehen, gesundes Denken zu erlernen.

Der zweite Schritt besteht darin, sich auf gesunde Weise zu ernähren, zu atmen und zu schlafen.

Wenn ein Mensch diese beiden Schritte befolgt, wird er gesund werden und gesund bleiben.

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