Könnte es sein, dass Sie sich auf dem Holzweg befinden?



Die obige Überschrift wurde bewusst etwas provokativ gewählt.

"Auf dem Holzweg sein" - Wo kommt dieser Ausdruck eigentlich her?

Nun, diese alte Redewendung war bereits im Mittelhochdeutschen geläufig. In Wäldern wurden manche Wege zum Abtransport von Holz verwendet. Folgte ihnen ein Wanderer, so erreichte er sein gewünschtes Ziel nicht.

Zweck dieses Beitrags soll es sein, Ihnen bewusst zu machen, wie häufig Sie - wahrscheinlich - von Fehlannahmen ausgehen. Veranschaulichen wir dies anhand eines Beispiels:

Ein Bekannter erzählt Ihnen, dass er letzten Donnerstag zusammen mit einer Freundin am Wiesengrund beim Picknick gewesen sei.

Die Freundin hätte auch ihren Schäferhund dabei gehabt.

Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit Sie diese Geschichte verstehen?

Zum einen müssen Sie die entsprechenden Worte in der deutschen Sprache verstehen:

Donnerstag

Freundin

Wiesengrund

Picknick

Schäferhund ...

Doch daran dürfte es nicht scheitern. Sie hören Ihrem Bekannten also zu und malen sich gedanklich aus, wie er und seine Freundin mit einem Picknickkorb, auf  einer Decke liegend, am Flüsschen beim Wiesengrund einen schönen Tag verbrachten. Der Schäferhund wird wohl daneben gelegen oder herumgetollt haben.

Das ist ein Denkvorgang.

Sie erstellen vor Ihrem inneren Auge ein Modell. Dies läuft in den allermeisten Fällen unbewusst ab. Sie sehen nicht wirklich, was sich am Wiesengrund abspielte, sondern stellen sich das Gras, den Hund und das übrige Umfeld nur vor.

Nun passiert folgendes:

Tags darauf laufen Sie Ihrem Bekannten über den Weg.

Er schiebt einen Rollstuhl vor sich her, in dem eine sehbehinderte oder blinde junge Dame sitzt.

Auf einmal geht Ihnen ein Licht auf!

Bei dem Schäferhund hatte es sich um einen Blindenhund gehandelt!

Jetzt tauschen Sie Ihr bisheriges geistiges Bild sofort aus. Sie ordnen die Erzählung jetzt völlig anders ein.

Das bringt uns zurück zur obigen Überschrift:

Da wir normalerweise keine Rückmeldung erhalten, wie dies in unserem Beispiel mit der Begegnung am nächsten Tag stattfand, gehen wir durchs Leben und tragen weiterhin die irrigen Annahmen mit uns herum, die wir uns aufgrund irgendwelcher geistiger Vorstellungen irgendwann einmal (vielleicht bereits in der Kindheit) gemacht haben.

Wir gehen von den falschen Voraussetzungen aus  und haben ungenaue innere Modelle. Diese speichern wir ab und haben nicht den leistesten Schimmer, dass sie hinten und vorne nicht stimmen!

Das muss nicht immer tragisch sein. In anderen Bereichen wiederum wirkt es sich verherrend aus.

Wir zermartern uns den Kopf, wieso wir immer wieder in dasselbe Fettnäpfchen tappen oder in einem bestimmten Lebensbereich nicht vorankommmen, und kommen niemals auf die Idee, dass wir die ganze Zeit über den verkehrten Denkmodellen ausgesessen sind.

Wer nicht durchschaut, was in ihm selbst vor sich geht, kann sein ganzes Leben auf dem Holzweg herumwandern und niemals ans Ziel gelangen. Er wird dann ständig an äußeren Bedingungen herumbasteln, statt beim Denken anzusetzen!

Einige Beispiele für solche inneren Konzepte:

Das Konzept "Selbstbild" entscheidet darüber, was Sie sich zutrauen und was nicht.

Das Konzept "Vergangenheit" löst Gefühle aus.

Das Konzept "Zukunft" entscheidet darüber, was Sie wahrscheinlich erleben werden.

Das Konzept "Mitmenschen" wirkt sich auf Ihren zwischenmenschlichen Umgang aus.

Machen Sie sich deshalb bitte drei Dinge bewusst:

  1. Es gibt innere Konzepte.
  2. Manche davon sind grundverkehrt.
  3. Doch sie können verändert werden!

Sobald Sie erkennen, dass einige Ihrer Konzept verändert werden müssen, eröffnen sich Ihnen neue Chancen und Möglichkeiten.

Achten Sie deshalb sehr auf Ihr Denken und versuchen Sie, Ihre geistigen Konzepte und Vorstellungen aufzudecken.

Bereits dies wird Ihnen wesentlich weiterhelfen!





Auch im größeren Rahmen kam und kommt es immer wieder zu Änderungen der Denkmodelle ("Paradigmenwechsel"):

Jahrtausende war der Mensch Jäger und Sammler und musste auf der Suche nach Nahrung immer wieder seinen Standort ändern.

Dann wurde im Nahen Osten der Ackerbau erfunden.

Im 18. Jahrhundert wurde die Nutzung der Dampfkraft entdeckt. Das führte zur Industriellen Revolution. Arbeiten, die bis dahin von Hand gemacht werden mussten, konnten nun von Maschinen übernommen werden.

In der noch neueren Zeit könnten wir Erfindungen wie das Auto oder das Telefon nennen.

All diese Erfindungen und Entdeckungen bewirkten weltweit einen Paradigmenwechsel.

Weitere solche Paradigmenwechsel sind auf mentalem Gebiet im Gange bzw. zu erwarten.