Die Kunst
des Schreibens



Heute, wo wir durch moderne Technologie wie SMS, WhatsApp oder Twitter zur Wortrafferei gezwungen werden und viele Menschen nicht mehr in der Lage sind, die grundlegendsten grammatikalischen Regeln anzuwenden (aufs, fürs, Toms Vater - solche Dinge werden fast immer falsch geschrieben) und wir viel zu viel Zeit vor irgendwelchen Bildschirmen verbringen, wird die Kunst des Schreibens immer mehr zu einem Mauerblümendasein verdammt.

Den Auslöser für diesen Post hat nicht etwa das obige Buch gegeben, sondern der Brief eines gewissen Sullivan Ballou, eines 32jährigen Soldaten während des amerikanischen Bürgerkriegs. Sullivan schrieb diesen Brief am 14. Juli 1861 an seine 24jährige Frau.

Hier das Original mit Übersetzung:

My very dear Sarah: Meine liebste Sarah,
The indications are very strong that we shall move in a few days - perhaps tomorrow. Lest I should not be able to write again, I feel impelled to write a few lines that may fall under your eye when I shall be no more. Vieles deutet darauf hin, dass wir in wenigen Tagen - vielleicht morgen schon - weitermarschieren. Da ich vielleicht nicht noch einmal schreiben kann, fühle ich mich veranlasst, dir ein paar Zeilen zu schreiben, die du vielleicht wiederlesen willst, wenn ich nicht mehr bin.
Sarah, my love for you is deathless, it seems to bind me with mighty cables that nothing but Omnipotence could break; and yet my love of Country comes over me like a strong wind and bears me irresistibly on with all these chains to the battle field. Sarah, meine Liebe zu dir überdauert den Tod, sie scheint mich mit dicken Kabeln an dich zu binden, die nur der Allmächtige brechen kann; und dennoch überkommt mich meine Vaterlandsliebe wie ein starker Wind und kettet mich widerstandlos an das Schlachtfeld.
The memories of the blissful moments I have spent with you come creeping over me, and I feel most gratified to God and to you that I have enjoyed them for so long. And hard it is for me to give them up and burn to ashes the hopes of future years, when, God willing, we might still have lived and loved together, and seen our sons grow up to honorable manhood, around us. I have, I know, but few and small claims upon Divine Providence, but something whispers to me - perhaps it is the wafted prayer of my little Edgar, that I shall return to my loved ones unharmed. If I do not, my dear Sarah, never forget how much I love you, and when my last breath escapes me on the battle field, it will whisper your name. Forgive my many faults and the many pains I have caused you. How thoughtless and foolish I have often times been! How gladly would I wash out with my tears every little spot upon your hapiness. Die Erinnerung an die glücklichen Augenblicke, die ich mir dir verbringen durfte, überkommen mich und ich bin Gott und dir zu großen Dank verpflichtet, dafür, dass ich diese Zeiten so lange genießen durfte. Schwer ist es für mich, die Hoffnung auf künftige Jahre, wenn wir, so Gott will, weiterhin zusammen leben und einander lieben, und unsere Söhne in unserer Nähe zu Männern heranwachsen sehen, zu Asche zu verbrennen. Ich habe nur wenige Wünsche an die göttliche Vorsehung, aber irgend etwas - vielleicht das hergewehte Gebet meines kleinen Edgar - flüstert mir zu, dass ich unversehrt zu meinen Lieben zurückkehren werde. Sollte ich das nicht, meine liebe Sarah, dann vergiss niemals, wie sehr ich dich liebe, und wenn mein letzter Atemzug auf dem Schlachtfeld vergeht, wird er deinen Namen flüstern. Verzeih mir meine Schwächen und die vielen Verletzungen, die ich dir zugefügt habe. Wie gedankenlos und törricht ich doch so oft war! Wie sehr wünschte ich mir, dass ich mit meinen Tränen jede kleine Befleckung deines Glücks herauswaschen könnte!
But, o Sarah, if the dead can come back to this earth and flit unseen around those they loved, I shall always be near you; in the gladdest days and in the darkest nightes, always! And if there be a soft breeze upon your cheek, if shall be my breath, as the cool air fans your throbbing temple, it shall be my spirit passing by. Sarah, do not mourn me dead; think I am gone and wait for thee, for we shall meet again .... Aber, oh Sarah, sofern die Toten wieder auf diese Erde zurückkommen und unerkannt unter ihren Lieben herumschwirren können, werde ich immer in deiner Nähe sein; an den frohesten Tagen und während der dunkelsten Nächte. Immer! Und wenn ein leiser Hauch deine Wange umspült, dann wird es mein Atem sein, und wenn kühle Luft deine Schläfen umweht, wird es mein Geist sein, der vorbeihuscht. Sarah, betrauere mich nicht als Toten; stell dir vor, dass ich weggegangen sei und auf dich warte; denn wir werden uns wiedersehen ...


Wie klingt das heute?

Kitschig, dick aufgetragen? schwülstig?

Oder ist es doch eine verloren gegangene Kunst?

Ballou fiel eine Woche später.



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