Das Märtyerersyndrom.
Fühlen Sie sich ständig als Leidtragender?



Kommt Ihnen das bekannt vor?

Ihr Herzblatt fragt, ob es Ihnen etwas ausmache, den kommenden Samstag alleine zu verbringen, da er mit einem Freund zu einem Fußballspiel nach wer-weiß-wohin fahren möchte.

Eigentlich hatten Sie sich auf einen Einkaufsbummel mit anschließendem Geklöne im Café gefreut. Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, sich über ein paar schwebende Punkte auszusprechen.

Aber schon hören Sie sich sagen: „Kein Problem, mein Schatz“. Das andere läuft Ihnen schließlich nicht weg.
Vielleicht finden Sie die Woche darauf ja die Ruhe, um gemeinsam über die kleinen Irritationen zu sprechen.

Dann kommt das Wochenende. Ihr Herzblatt ist weg und auf einmal merken Sie, dass Sie sauer werden.

Auf sich selbst.
Warum haben Sie keine Anstalten gemacht, das Thema zumindest anzusprechen?

Warum haben Sie Ihre eigenen Wünsche hintenan gestellt?

Jetzt ist der ganze Tag versaut!
  • Sie fühlen sich nicht Ernst genommen,
  • auf die Reservebank verschoben,
  • unwichtiger als ein Fußballspiel.
Diese miese Stimmung hält auch noch an, als Ihr Herzblatt frohgelaunt wieder zu Hause eintrifft.

Nun, vielleicht trifft dieses Beispiel ja nicht auf Sie zu.
Nehmen wir ein anderes:

Am Freitagabend kommen Susi und Werner zu Besuch.
Sie wissen, dass Ihr Herzblatt viel um die Ohren hatte, die Woche war anstrengend. Also bieten Sie an, dass Sie von Ihrem Gleitzeitplus Gebrauch machen und am Freitag bereits mittags aufhören. Dann hätten Sie den ganzen Nachmittag Zeit, um etwas Leckeres zu brutzeln und ein paar Einkäufe zu machen.
Sie (die Dame des Hauses) winkt ab.
Sie haben alles im Griff. Das Kochen möchte sie selbst übernehmen.

Als Sie um die gewohnte Zeit nach Hause kommen, finden Sie Ihr Herzblatt aufgelöst vor. Sie wirkt nicht besonders ausgeglichen und hat mit dem Kochtopf eines gemein:
Beide stehen unter Druck.

Sie bieten Ihre Mithilfe an. Aber sie murmelt nur, dass sie das nicht brauche.

„Wenn der Abend nicht völlig in die Hose gehen soll, muss ich alles selbst machen. Es ist immer dasselbe.
Jeder schneit einfach herein, wenn alles bereits fertig und an mir bleibt die ganze Arbeit hängen“.


Aber hallo!
Erkennen Sie sich oder Ihr Herzblatt in diesen Beispielen wieder?


Ein solches Verhalten nennt man „Märtyrersyndrom“.

Menschen, die daran leiden, stellen ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse zurück und wollen es hauptsächlich dem anderen Recht machen.

Aber dann beschweren sie sich, sie fühlen sich ausgenutzt und lassen jeden wissen, der es hören will, welche Opfer sie gebracht hätten.

Diese Menschen möchten gelobt und gebraucht werden, aber was ihnen in diesem Bereich entgegengebracht wird, ist in den seltensten Fällen genug. Sie sind auf eine ungesunde Weise von Anerkennung abhängig.

Eine typische Bemerkung eines Märtyrers ist:
„Und das ist wohl der Dank für alles, was ich für dich getan habe?“

Oder
„Ich habe nie etwas für mich gewollt.
Es ging mir immer zuerst um dich.“


Oder auch: „Du pickst dir doch sowieso immer die Rosinen aus dem Kuchen. Aber mir ist das egal. Ich geb mich auch mit den Krümeln zufrieden“.

Dabei schwingt mit, dass die Befürfnisse des anderen wichtig seien und der Märtyrer (die Märtyrerin) sich mit Almosen zufrieden geben könne.

Oberflächlich betrachtet hören sich solche Aussprüche durchaus ehrlich an. Der andere wird ermutigt, auf die gewohnte Weise weiterzumachen. Wenn Sie darauf eingehen, werden Sie es jedoch später bitter bereuen. Dann, wenn die Verbitterung und Negativität, die Verärgerung und die Ressentiments des „Übervorteilten“ herausplatzen.

Was können Sie tun, um ein Märtyrerverhalten zu verändern?

Falls Sie selbst der/die Märtyrer/in sind, sollten Sie achtsamer werden.

Werden Sie bewusster.

Achten Sie darauf, wenn Sie in diese destruktive Schiene abgleiten.
Fangen Sie an, Ihr Verhalten aus einem neuen Blickwinkel zu betrachen. Das ist der erste Schritt zur Verbesserung. Es dürfte Ihnen nicht gelingen, jedes Mal komplett aus dieser Rolle herauszuschlüpfen, aber Sie sollten den festen Entschluss fassen, dieses schädliche Verhalten abzustellen.

Nach und nach wird es Ihnen besser gelingen.

Wenn Sie sich dabei ertappen, dass Sie eine Antwort geben, die Sie wieder in die Rolle des Märtyrers zurückdrängt, halten Sie inne. Sagen Sie sich:

„So will ich nicht reagieren.
Nochmals von vorne.
Versuchen wir mal, ob wir nicht eine Möglichkeit finden, wie wir das unter einen Hut bekommen. Wie können wir es hinkriegen, dass du dein Fußballspiel besuchst und dass wir auch noch Zeit für uns haben?
Warum setzen wir nicht unser Denkermützchen auf und überlegen uns, wie wir beide optimal von diesem Wochenende profitieren?“


Im obigen Beispiel könnte dies vielleicht so aussehen:

„Ich war zunächst schon der Meinung, dass du ruhig mit Rudi zum Fußballspiel fahren könntest.
Aber dann merkte ich, dass ich mich dabei zurückgesetzt fühle. Wäre es dir Recht, wenn wir uns die Möglichkeiten gemeinsam überlegen?


Falls Ihr Herzblatt die aufopfernde Märtyrerin im Haushalt ist, wird es ein bisschen komplizierter.
Letztendlich können Sie einen anderen Menschen nämlich nicht ändern.
Sie können taktvoll auf das Verhalten hinweisen und erwähnen, wie sehr es Sie verwirrt, dass Sie zuerst hören, dass alles in Butter sei und dananch aber eine Miesepeterstimmung vorfänden.

Eventuell ist es günstig, dieses Thema auf später zu vertagen.

Bringen Sie auch Ihr Interesse zum Ausdruck, wie sehr Ihnen daran gelegen ist, dass die Bedürfnisse beider erfüllt würden. Das könnte Ihrem Herzblatt den Mut geben, sich offener zu äußern und ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse direkter zu formulieren.

Das Ziel besteht darin, dass die Partnerschaft für beide so befriedigend wie möglich verläuft.
In einer gesunden und tragfähigen Partnerschaft ist ein Märtyrerverhalten fehl am Platze.


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Fehler, die Sie vermeiden sollten!

Drei Säulen einer tragfähigen Partnerschaft