Wie alles begann.
Napoleon Hills Anfänge





Der folgende Text ist ein Auszug aus einem Vortrag von Napoleon Hill und dem Archiv der Napoleon Hill Foundation entnommen.
Falls Sie Selbstzweifel überfallen sollten, wird Ihnen diese Schilderung wieder Perspektive geben und Mut verleihen:

Zitat:

Glücklicherweise wurde ich Andrew Carnegie zugewiesen, dem damals reichsten Mann auf Erden; es war bekannt, dass er sich nur die Besten aussuchte. Das machte ihn erfolgreich.

Er wusste, wie man sich mit Mastermind-Partnern umgibt, die alles erledigen und schaffen konnten, was zu tun war. Kein Mensch erhebt sich über die Mittelmäßigkeit, solange er es nicht versteht, die Gehirne und manchmal auch das Kapital anderer mitzunutzen. Intelligenz und Geld - beides ist nötig, glauben Sie mir!

Nun, Andrew Carnegie gab mir drei Stunden.

Als die drei Stunden um waren, sagte er:

"Die Unterhaltung fängt erst richtig an. Kommen Sie doch rüber in mein Haus, nach dem Abendessen reden wir dann weiter."

Ich war richtiggehend froh, dass er mich in sein Haus eingeladen hatte. Falls er gesagte hätte "gehen Sie doch nochmals ins Hotel und kommen Sie morgen wieder", wäre ich pleite gewesen, ich hatte nämlich gerade noch genug Geld, um meine Rückfahrt nach Washington bezahlen zu können.

Nach dem Abendessen begaben wir uns in die Bibliothek und er nahm mich dermaßen scharf ran, wie seitdem niemand mehr in meinem ganzen Leben.
Er erzählte mir etwas von einer neuen Philosophie, welche für die kommenden Generationen niedergeschrieben werden müsse, darüber, wie Männer wie er ein Leben lang aus Irrtümern und Fehlern gelernt haben. Und dass es jammerschade sei, dass dieses so hart erarbeitete Wissen mit in die Gräber genommen würde.

Noch nie zuvor sei es als Philosophie formuliert und dem Mann auf der Straße zur Verfügung gestellt worden.

Ich fragte mich wirklich, warum Mr. Carnegie seine Zeit mit einem unerfahrenen Nachwuchsreporter wie mir vertat und dermaßen auf mich einredete.

Was er andeutete, überstiegt meine Fähigkeiten ja um einiges.

Aber ich war neugierig, hielt die Augen offen und den Mund geschlossen.

Und so redete er weiter von seiner Philosophie und was sie für den Mann tun könne, der sie systematisch aufbereitete. Ja, was sie für eine ganze Generation tun könne, wie sogar noch Ungeborene daraus Nutzen ziehen könnten.

Und dann sagte er:

"Gut. Jetzt habe ich also drei Tage über diese neue Philosophie geredet. Ich habe Ihnen alles darüber erzählt, was ich weiß, haben Ihnen ihr Potenzial und ihre Möglichkeiten aufgezeigt.

Jetzt möchte ich Ihnen eine Frage stellen, worauf ich Sie bitte, mit einem schlichten Ja oder Nein zu antworten.

Überlegen Sie sich Ihre Antwort aber erst gut. Wenn ich Sie beauftragte, der Verfasser dieser Philosophie zu werden und Ihnen Empfehlungsschreiben für Leute mitgäbe, die Ihnen dabei helfen können, würden Sie zwanzig Jahres Ihres Lebens darauf verwenden, diese Philosophie zu erforschen? Solange wird es nämlich dauern.

In dieser Zeit müssten Sie sich Ihr Geld selbst verdienen, ohne Unterstützung von meiner Seite. Ja oder Nein?"


Was kann einer darauf sagen?
Da sitzt man nun vor dem reichten Mann der Welt, hat kaum Geld genug in der Tasche, um wieder nach Hause zu kommen und dieser Herr schlägt vor, dass man zwanzig Jahre seines Leben ohne Unterstützung oder sonstige Entschädigung an irgend etwas arbeiten solle?

Was soll man darauf bloß sagen?

Was Ihnen jetzt durch den Kopf geht, ging damals auch mir durch den Kopf. Ich wusse sehr wohl, dass ich das nicht machen konnte.

Ist es nicht seltsam? Da bekommt man eine außergewöhnliche Gelegenheit geboten und die Chancen stehen tausend zu eins, dass einem sofort negative Gedanken durch den Kopf spuken.
Sofort meldet sich das Negative zu Wort. Es fallen einem alle möglichen Gründe ein, warum so etwas ausgeschlossen ist. Ich kann Ihnen auf der Stelle gleich drei davon sagen:

Erstens hatte ich nicht genug Geld, um mich zwanzig Jahre lang über Wasser zu halten.

Zweitens verfügte ich nicht über die Ausbildung, um mit den erfolgreichsten Männern in Amerika und in anderen Ländern zu verkehren.

Und drittens hatte ich keine Ahnung, was dieses Wort "Philosophie" überhaupt bedeuten sollte, das Mr. Carnegie seit drei Tagen wie selbstverständlich durch die Luft wirbelte.

Sie können sich also vorstellen, in welch misslicher Lage ich mich befand.

Ein junger Mann mit geringer Vorbildung sitzt einem erfolgreichen Herrn gegenüber, der einem Autor eine Chance bietet, wie sie noch nie zuvor einem Autor geboten wurde. Noch nie wurde meines Wissens jemandem die Gelegenheit geboten, mit 500 der erfolgreichsten Männer zusammenzuarbeiten, um ein literarisches Werk dieser Tragwweite zu verfassen.

Diese Chance wurde nun ausgerechnet mir geboten.

Ich darf Sie hier auf einen wichtigen Umstand hinweisen. Damals wusste ich davon noch nichts, ich sollte erst später davon erfahren.

Nachdem mich Mr. Carnegie drei Tage lang auf die Probe gestellt hatte, wollte er mir 60 Sekunden Zeit für meine Entscheidung lassen. Keine Sekunde mehr!

Ich hatte es damals nicht bemerkt, aber er hatte doch tatsächlich hinter seinem dicken Schreibtisch eine Stoppuhr, die weitertickte, während er auf meine Antwort wartete. Wie ich später erfahren sollte, brauchte ich 29 Sekunden, bis ich sein Angebot annahm. Ich hatte also noch 31 Sekunden zwischen mir und einer Gelegenheit, wie sie niemals einem anderen Autor geboten wurde.

Ich war bereit für die Rückreise nach Washington und Mr. Carnegie sagte dann:

"Wenn Sie aus Ihrer Reise nichts anderes mitnehmen als das, was ich Ihnen jetzt erzählen werde, dürfte es Ihren gesamten Lebensweg verändern. Und auch den vieler anderer."

Er sagte: "Sehen Sie, Napoleon, zwanzig Jahre sind eine lange Zeit und ich habe Sie vor eine ziemlich harte Aufgabe gestellt. Sie haben sie akzeptiert.

Ich möchte Sie aber warnen: Sie werden vielen Versuchungen begegnen, und zwar lange, bevor die zwanzig Jahre um sind. Sie werden aufgeben wollen, weil das das Leichteste für einen Schwächling ist.

Ich halte Sie keineswegs für einen Schwächling, sonst hätte ich Ihnen diese Aufgabe nicht anvertraut. Aber ich weiß, dass Sie etwas brauchen, das Sie über diese Versuchungen hinweg bringt, denn kommen werden sie mit Sicherheit. Ich gebe Ihnen nun eine Formel, mit der Sie Ihr Denken so programmieren, dass Sie nichts auf der Welt aufhalten kann. Mit ihrer Hilfe werden Sie weitermachen, bis Sie Ihre Aufgabe erledigt haben."


Ich stenographierte alles mit. Dann meinte er: "Ich möchte, dass Sie sehr langsam schreiben und dass Sie jedes Wort unterstreichen, das ich Ihnen jetzt sagen werde. Hier ist die Botschaft, die Sie jeden Tag mindestens zweimal wiederholen sollten, einmal vor dem Schlafengehen und einmal gleich nach dem Aufstehen. Sehen Sie in den Spiegel. Sie sprechen jetzt zu Napoleon Hill, bedenken Sie das. Und das sagen Sie ihm:

'Andrew Carnegie, ich werde Ihre Leistungen nicht nur erreichen, ich werde ihr Lebenswerk übertrumpfen.
Ich fordere Sie heraus.'"


Ich legte meine Stift nieder und sagte: "Nun, Mr. Carnegie, wollen wir realistisch sein.
Sie wissen doch sehr gut, dass ich dazu nicht in der Lage bin!"


Zu diesem Zeitpunkt war Mr. Carnegie Milliardär, wahrscheinlich der erste und einzige Milliardär des Landes.

Er antwortete: "Ich weiß, dass Sie dazu nicht in der Lage sind, es sei denn, Sie glaubten daran! Wenn Sie es glauben, werden Sie es erleben." Er fuhr fort: "Lassen Sie mich Sie folgendes bitten: Probieren Sie es 30 Tage lang aus. Könnten Sie das tun?"
Darauf ging ich ein, das erschien mir ein zumutbares Ansinnen.

Aber ich hatte die Finger meiner beiden Hände überkreuzt. Es war mir klar, dass es nicht so kommen würde.

So etwas! Ein junger Schreiberling Anfang zwanzig und dann das Versprechen, die Lebensleistung eines Milliardärs zu übertrumpfen.

Das war so absurd, dass es schon nicht mehr lustig war. Es machte mir sogar Angst.

Ich dachte, dass Mr. Carnegie den Verstand verloren habe müsste. Das war völlig abwegig.

Aber ich gab mein Versprechen ab und fuhr nach Washington zurück, wo ich mir mit meinem Bruder ein Appartment bewohnte.

Dann las ich mir die Formel nochmals durch.

Ich wollte nicht, dass mich mein Bruder für einen Spinner hielt, zumal ich ihm ohnedies bereits einige schlechte Nachrichten mitbrachte. Ich hatte mich bereit erklärt, die Schulkosten für uns beide zu übernehmen, aber jetzt musste ich ihm eröffnen, dass ich die Schule sowieso nicht weitermachen wollte. Er musste also alleine zurecht kommen.

Ich ging ins Badezimmer und verriegelte die Tür.
Dann presste ich mich fast an den Spiegel heran und flüsterte mir die Formel vor.

Als ich mich wieder umdrehte, sah ich den leibhaftigen Napoleon Hill dort stehen und ich sagte: "Du verdammter Lügner, du weisst sehr gut, dass du das nicht schaffst." Nur, dass sich statt "verdammt" einen deftigeren Ausdruck benützte.

Ich kam mir wie ein Idiot vor, wie ein Dieb. Wie konnte ich mich bloß zu so einer Farce hinreißen lassen?

Aber dann sagte ich mir: "OK. Du hast es Mr. Carnegie versprochen, also hältst du es auch durch".

Die erste Woche lang - nur eine Woche lang - kam ich mir immer noch ziemlich dämlich vor.
Anfang der zweiten Woche sagte dann irgend etwas in mir: "Warum änderst du nicht einfach deine Einstellung? Immerhin ist Andrew Carnegie der reichste Mann der Welt. Jeder weiß, dass er nur die Besten auswählt und wenn er sich für dich entscheidet, muss das ja wohl seinen Grund haben. Sieh das Ganze doch mal so!"

Also änderte ich meine Meinung. Wenn ich das damals nicht getan hätte, würde ich heute nicht zu Ihnen sprechen. Ich würde auch nicht zu vielen anderen sprechen, über meine Bücher sogar zu Millionen von Menschen - wenn ich damals nicht meine Einstellung zum Positiven geändert hätte.

Ich wiederholte diese Übung also und nahm sie jetzt Ernst. Am Monatsende glaubte ich nicht nur, dass ich es ebenso weit bringen könnte wie Mr. Carnegie, ich wusste, dass ich mehr erreichen würde als dieser Mann. Und glauben Sie mir, dass ich dieses Ziel bereits seit langem erreicht habe: Vielleicht 20, maximal vielleicht 25 Millionäre haben diesen Zustand Mr. Carnegie zu verdanken. Die Personen, die ich die Ehre hatte, überall auf der Welt zu Millionären zu machen, sind jedoch wesentlich mehr.

Das ist jedoch nicht mein Hauptargument, wenn ich sage, dass meine Leistungen die von Mr. Carnegie überstiegen.

Ich habe Männer und Frauen im Geiste des Verständnisses zusammengebracht.

Ich habe ihnen geholfen, ihren eigenen Weg zu finden.

Ich habe Männer und Frauen vom Freitod gerettet, weil ich ihnen aufzeigen konnte, wie sie sich selbst finden können.

Ich darf also für mich in Anspruch nehmen, dass ich für die Welt Dinge vollbracht habe, die Mr. Carnegie nicht geleistet hat.

Aber nicht nur das. Was ich getan habe, wurde nicht nur aufgeschrieben, es hat den Praxistest bestanden.

Und es wird Millionen von Menschen helfen, die das Licht der Welt noch gar nicht erblickt haben.

Napoleon Hill



Siehe auch "Das Gesetz des Erfolgs in sechzehn Lektionen"



Band I:

Lektion 1 bis 5:



Band II:
Lektion 6 bis 11:



Band III:
Lektion 12 bis 16: