Wieso sich manche Wünsche erfüllen - und andere nicht

Die französische Salonière Ninon de Lenclos (1620 – 1705), welche in moralischer Hinsicht sicherlich kein nachahmungwürdiges Beispiel abgab, gelangte immerhin zu einer bemerkenswerten Einsicht. Sie schrieb: „Den Reichtum unserer Vorstellungskraft und die Armut unserer Realität begreifen wir erst, nachdem sich unsere Träume erfüllt haben.“

Über den vorliegenden Beitrag – wie auch über die meisten anderen auf I-Bux.Com – mag man geteilter Meinung sein. Er verfolgt die Absicht, einige im Laufe der Zeit fehlinterpretierte oder verloren gegangene Blickwinkel neu auszuleuchten, wodurch Sie als Leserin oder Leser Ihr Wohlbefinden steigern können.

Dazu ist eine offene Geisteshaltung erforderlich. Andernfalls ergäbe die Lektüre keinen Sinn.

Die alles überragende Macht der Vorstellungskraft

In seiner Vorlesung „Über den Unterschied des Geists vom Buchstaben“ definiert der Erzieher und Philosoph Johann Gottlieb Fichte (1762 – 1814) den Geist als das „Vermögen der schöpferischen Einbildungskraft; diese erhebt generell dunkle, vorbewusste Gefühle zu bewussten Vorstellungen.“ In ihrer höchsten Bedeutung, das heißt, in der ethisch-praktischen, hat man sich nach Fichte die produktive Fantasie als die Fähigkeit, sich auf eine „übersinnliche Ordnung der Dinge“ beziehende Gefühle als vernünftig begründete Ideen und Ideale vorzustellen.

Was bedeutet das in modernem Deutsch?

„Generelle vorbewusste Gefühle“ könnten wir auch „Vorstellungsbilder“ nennen. Falls ein Architekt zum Beispiel ein Gebäude entwerfen will, stellt er sich zunächst ein geeignetes Grundstück vor. Dann entwirft er eine Skizze und macht einen Plan. Gleichzeitig stellt er sich das Bauwerk im Fertigzustand vor. Schließlich übergibt der die Pläne dem Bauunternehmer, der seinerseits für die praktische Umsetzung sorgt.

Denselben Ablauf könnten wir auch anhand eines Ballspiels beschrieben: Bevor der Ball in den Korb fällt beziehungsweise ins Tor geschossen wird, erstellt der Spieler ein geistiges Vorstellungsbild. Viele Tennisspieler oder andere Sportler haben dies bereits unzählige Male bestätigt.

Selbst der Taxifahrer malt sich den einzuschlagenden Weg zunächst geistig aus. Dies geht zwar meist so schnell und mechanisch vor sich, dass es dem Fahrer wahrscheinlich gar nicht bewusst ist, aber ohne diese geistige Vorwegnahme der zu fahrenden Route würde er nie ankommen.

Diese Beispiele lassen sich auf alle unsere alltäglichen Verrichtungen übertragen.

Alles entsteht zunächst in der geistigen Vorstellung

„Und Gott sprach: Lasset uns den Menschen machen nach unserem Ebenbilde.“ (Genesis 1,26).

Selbst hier ist von der Vorstellungskraft die Rede.

Ein jeder von uns bedient sich also tagein, tagaus der Vorstellungskraft. Es geht gar nicht anders, auch wenn es den Meisten wohl nicht bewusst ist.

Daraus lässt sich folgern, dass die Vorstellungskraft die geistige Fähigkeit ist, unsere Lebensumstände zu gestalten: Materie, Krankheiten, Wohlstand, Misserfolge – einfach alles.

Doch könnten wir diese Fähigkeit nicht wesentlich besser nutzen? Könnten wir sie nicht bewusst dazu einsetzen, unsere Wünsche zu erfüllen, einen besseren Arbeitsplatz zu finden oder unsere Beziehungen zu verbessern? Wieso macht uns kein Lehrer oder Erzieher darauf aufmerksam, dass wir diese innere Macht besitzen?

Auch wenn Gruppen im Altertum, beispielsweise die Essener, die Macht der Kreativität und Imagination gelehrt zu haben scheinen, glänzt sie in unserem heutigen Bildungssystem durch Abwesenheit. Dabei würde dieses Wissen dem ganzen Volk zugutekommen!

Nochmals eine Anleihe aus der Bibel (wobei immer zu bedenken ist, dass dies ein psychologisches Buch ist!): „Alles, was ihr in meinem Namen erbittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird.“

Wenn wir den „Vater“ als das Unterbewusste/Vorbewusste und den „Sohn“ als das Tagesbewusstsein/Wachbewusstsein verstehen, wird diese Passage gleich verständlicher.

Auf unserer dreidimensionalen Ebene haben wir es mit Ursache und Wirkung, mit Gegensätzen und vielen anderen Gesetzmäßigkeiten zu tun. Alles befindet sich in einer ständigen Schwingung und niemand kann mehr erreichen, als er/sie sich vorstellen kann.

Im Kyballion werden die sieben „hermetischen Prinzipien“ beschrieben. Das sind sieben universelle Gesetzmäßigkeiten, bei denen der Geist eine alles überragende Rolle spielt. Dort steht: „Die Vorstellungskraft ist eine Fähigkeit, welche der Materie Form verleiht“.

Überall ist eine „alles durchdringende Substanz“ (Wattles), ein „All-Bewusstsein“ vorhanden. Leider gibt es für diese Macht keine einheitliche Terminologie; von Paracelsus wurde sie beispielsweise als „Geburt von oben“ bezeichnet und Neville Goddard würfelte gleich eine Handvoll von Begriffen durcheinander.

Es läuft jedoch immer darauf hinaus, dass unsere sichtbare Welt ihren Ursprung in höheren Regionen hatte.

Das Geheimnis: Sich in das Vorstellungsbild hineinfühlen

Da Gefühle kognitiv oder subjektiv sind, sind sie im Bewusstsein angesiedelt. Jedes Mal, wenn wir auf etwas reagieren, wenn wir denken oder uns etwas vorstellen, hinterlassen wir in unserem Unterbewusstsein eine Spur. Was wir von der Außenwelt halten, verdanken wir unseren Gefühlen.

Das Fantastische darin ist, dass der Mensch sein Leben ab dem Augenblick, an dem er dies wünscht, umgestalten kann.

Auf welche Weise?

Indem er sich seiner geistigen Fähigkeiten bedient und neue Vorstellungsbilder aufbaut, in denen sein Wunsch bereits erfüllt ist. Diese neuen positiven Vorstellungsbilder können im Gehirn radikale Veränderungen bewirken; mit anderen Worten: sie bilden neue Synapsen (Verknüpfungen).

Wenn wir in diesem Zusammenhang von „Gefühl“ sprechen, sind keine Begeisterungsausbrüche gemeint. Wenn Sie zum Beispiel das Abitur oder einen Fachschulabschluss haben, den Führerschein oder einen Reisepass besitzen, so wissen Sie das ganz einfach. Es ist für Sie ganz normal und natürlich. Diese unspektakuläre innere Wissen ist hier mit „Gefühl“ gemeint.

Sie betrachten Ihr Wunschbild aber nicht auf einer Art innerer Leinwand; Sie bewegen sich vielmehr aktiv darin hinein und sind daran beteiligt. Eine Zuschauerrolle reicht nicht aus!

Wichtig ist auch Beharrlichkeit. Bleiben Sie diesem inneren Szenario unbeirrt bei – egal, was andere Leute sagen, wie „die Umstände“ aussehen oder was Ihnen Ihre Sinnesorgane weiszumachen versuchen!

Sie gehen innerlich von der angestrebten Sollsituation so aus, als ob sie bereits ganz selbstverständlich Teil Ihres Lebens wäre! Jetzt!

Sie warten also auf nichts mehr. Gerade dieses Abwarten ist ein Grund, warum das „Gesetz der Anziehung“ bei vielen Menschen nicht funktioniert. Das „Gesetz der Annahme“ geht von einer anderen Prämisse aus: Sie denken nicht an Ihren Wunsch, Sie denken von einer Situation nach Erreichung Ihres Wunsches aus!

Dadurch reagieren Sie auch ganz anders auf die Lebensumstände. Zukunft und Vergangenheit haben in diesem Szenario nichts zu suchen. Es geht immer nur um das Jetzt!

Sehr wichtig sind dabei die Augenblicke vor dem Einschlafen, wenn Sie sich in einem entspannten Dämmerungszustand befinden. Nutzen Sie diese kostbaren Momente, um sich in Ihre Idealsituation hineinzufühlen! Das nimmt jeweils nur wenige Sekunden in Anspruch.


Wenn aus Ihrem Kühlschrank Leere herausgähnt, stellen Sie sich ihn mit leckeren Speisen und frischen Getränken gefüllt vor. Wenn Ihr Bankkonto im Minus ist, grübeln Sie nicht darüber nach, wie Sie es ins Haben bringen. Der Reiche zieht kein Geld an, das ist ein Irrglaube. Er hält sich für die Quelle des Geldes. „Geld will unbedingt zu mir“, ist sein Credo.

Denken Sie grundsätzlich nur an das Gewünschte,

niemals an etwas Unerwünschtes!

Verausgaben Sie sich nicht. Es interessiert immer nur das Jetzt. Falls Sie sich zum Beispiel einen neuen Wagen wünschen, kümmern Sie sich nicht um die Mittel und Wege. Das ist nicht Ihre Aufgabe! Versetzen Sie sich in eine Situation nach Ihrer Wunscherfüllung. Sie sitzen bereits im Auto und betrachten das Armaturenbrett und die Fahrbahn vor Ihrer Windschutzscheibe durch Ihr inneres Auge, das heißt, Sie sehen sich nicht von außen, sondern Sie visualisieren genau das, was Sie auch physisch sehen würden, wenn Sie diesen Wagen bereits fahren würden.

Ihre Aufgabe besteht in der Festlegung der Details: Farbe, Marke, Größe, Leistung, Sonderausstattung ... Alles Übrige wird sich zur rechten Zeit fügen.

Natürlich dürfen Sie weder Zweifel noch Verzweiflung oder Ängste einbringen; Sie würden dann vorzeitig von Ihrem Vorstellungsbild ablassen. Es sind Geduld und Zuversicht gefragt.

Falls Sie krank sind, erwähnen Sie es nicht einmal! Auch in diesem Lebensbereich gilt derselbe Modus Operandi. In einem schlafähnlichen Dämmerungszustand, in dem Sie tief entspannt sind, fühlen Sie sich in den Zustand von Gesundheit hinein. Was würden Sie tun, wenn es jetzt bereits so wäre? Würden Sie spazierengehen, joggen, schwimmen, Rad fahren, Gartenarbeit verrichten ...? Kümmern Sie sich nicht um das Wie, konzentrieren Sie sich auf das gewünschte Endergebnis.

Wie funktioniert der Vorstellungsprozess?

Alzheimer-Patienten fällt es schwer, sich etwas vorzustellen oder sich an etwas zu erinnern. Es deutet vieles darauf hin, dass diese Krankheit auf einen Sauerstoffmangel im Gehirn zurückzuführen ist.

Wir können daraus mehrere wichtige Schlüsse ziehen.

Erstens: Dass die Erinnerungsfähigkeit und das Vorstellungsvermögen in denselben Gehirnstrukturen, und somit im selben Neuronentyp, angesiedelt sind.

Zweitens: Dass das Vorgestellte Teil der Erinnerung ist und somit in unserem Unterbewusstsein abgespeichert ist. Wenn wir etwas nicht kennen, können wir es uns nicht vorstellen. Zumindest brauchen wir etwas, das dem Vorgestellten ähnlich ist.

Und wohin gehen unser menschlichen Vorstellungsbilder und Worte?

Das Gehirn besteht aus so genannten Neuronen. Das sind hochgradig intelligente Zellen, von denen jede Einzelne aus Millionen von Atomen besteht. Die Dynamik dieser Atome wird durch jedes Vorstellungsbild, jedes Wort, jede Handlung und jeden Gedanken des Menschen verändert.

Im Jahre 2014 ging der Medizinnobelpreis an den US-Amerikaner John O’Keefe und das norwegische Forscherehepaar May-Britt und Edvard Moser. Diese Wissenschaftler hatten das „GPS des Gehirns“ entdeckt und wurden für ihre Untersuchungen von Gehirnzellen ausgezeichnet, welche der räumlichen Orientierung dienen.

Diese Nervenzellen (Neuronen) sind darüber hinaus für die Erinnerungsfähigkeit, Farbe, Figuren und andere Aufgaben zuständig.

Was hat das mit dem „wissenschaftlichen Gebet“ zu tun, also mit der uns abverlangten Selbstüberzeugung des bereits erfüllten Wunsches?

Beim „Beten“ müssen wir uns auf das bereits eingetroffene Idealbild konzentrieren. Diese Vorgabe wird dann vom GPS-Neuron interpretiert. Es zieht sie aus ihrer Erinnerungsbank heraus und fügt ein paar Details hinzu, verarbeitet diese und teilt sie chemisch und elektrisch sämtlichen Körperzellen mit.

Um unser „Gebet“ loszuschicken und zu transportieren, bedient sich der Organismus der Mittlerfunktion der im Sauerstoffmolekül enthaltenen roten Blutkörperchen. Die physische Realität - beziehungsweise bei Unterbrechung und mangelndem Glauben oder nicht aufrechterhaltener Erfolgsüberzeugung des Menschen, der Misserfolg – wird uns dann als Quittung präsentiert.


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