Kleider
machen Leute





".... Die Geschichte, die Sie jetzt lesen werden, vermittelt eine höchst bemerkenswerte Lektion. Mir sind über hundert Fälle von Männern und Frauen bekannt, die aufgrund dieses Prinzips ihren Platz im Leben wiedergefunden haben.

Eine anziehende Persönlichkeit
findet man bei einem Menschen,
dessen Herz Wärme und Freundlichkeit ausstrahlt!

Das erstaunlichste Beispiel einer beinahe sofortigen Verwandlung einer gescheiterten Existenz in eine erfolgreiche Persönlichkeit wurde mir vor etwa vier Jahren, während des Krieges, vor Augen geführt.

Eines Tages kam ein Landstreicher in mein Büro.

Er machte den Eindruck, als würde er sich für sein Dasein auf Erden entschuldigen müssen

Ich wollte ihm schon einen Vierteldollar anbieten, als er mich überraschte: Er zog das Exemplar eines kleinen Büchleins mit dem Titel "How to Build Self-Confidence" (Wie man Selbstvertrauen gewinnt) aus seiner Jackentasche.

Er sagte: "Es muss ein Wink des Schicksals gewesen sein, dass mir dieses Büchlein gestern nachmittag in die Hand gefallen ist.
Ich war schon auf dem Weg zum Michigan-See und wollte mich aus dem Leben verabschieden. Dann gab mir jemand dieses Buch. Ich las es und dachte darüber nach. Jetzt habe ich Sie aufgesucht, damit Sie mir wieder auf die Beine helfen."


Ich sah mir den Kerl nochmals an. Er war das heruntergekommendste menschliche Exemplar, das ich mir vorstellen konnte.
Er hatte sich wohl seit vierzehn Tagen nicht mehr rasiert. Seine Kleidung war zerschlissen, seine Schuhabsätze schiefgelaufen.

Aber er war zu mir gekommen, um mich um Hilfe zu bieten, also konnte ich nicht Nein sagen.

Ich bat ihn herein und bot ihm einen Stuhl an.
Offen gestanden, hatte ich nicht die leiseste Ahnung, wie ich diesem Individuum weiterhelfen könnte, aber ich brachte es nicht übers Herz, ihm das ins Gesicht zu sagen.

Ich bat ihn, mir seine Geschichte zu erzählen. In Kurzfassung war es diese: Vor dem Krieg war er im Staate Michigan ein erfolgreicher Fabrikant gewesen, doch der Krieg hatte ihm den Bankrott gebracht und seine Ersparnisse vernichtet. Er hatte keinen Glauben mehr an sich und Frau und Kinder verlassen und sich mit Betteln über Wasser gehalten.

Nachdem ich mir seine Geschichte angehört hatte, sagte ich ihm: "Ich habe Ihnen mit großem Interesse zugehört, und würde Ihnen gerne weiterhelfen. Leider kann ich absolut nichts für Sie tun".

Ich blickte ihn einige Sekunden lang aufmerksam an. Er wurde kreidebleich und ich befürchtete, dass er gleich ohnmächtig werden würde. Dann sprach ich weiter:

"Aber in diesem Gebäude befindet sich jemand, den ich Ihnen gerne vorstellen werde. Dieser Mann kann Ihnen wieder auf die Beine helfen und es wird keine sechs Monate dauern, bis Sie wieder der Alte sind!"

Er war ganz aufgeregt. "Um Gottes Willen. Stellen Sie mir diesen Mann vor!!"

Ich führte ihn hinaus in mein Labor, zog den Vorhang beiseite, so dass ein mannshoher Spiegel zum Vorschein kam. Dort platzierte ich meinen Gast.

Ich zeigte auf den Spiegel und sagte ihm: "Dort sehen Sie den einzigen Menschen auf Gottes Erden, der Ihnen weiterhelfen kann!
Erst wenn Sie sich die Mühe machen, sich mit den Stärken dieses Mannes zu beschäftigen, werden Sie Ihre frühere Persönlichkeit wiedererlangen!
Falls Sie dies nicht tun, können Sie sich genauso gut im Michigan-See ertränken, weil Sie dann das Gute, das in Ihnen steckt, nie erkennen werden!"


Er trat noch näher an den Spiegel heran, streifte sich über sein unrasiertes Kinn und trat dann wieder zurück. Aus seinen Augen quollen ein paar Tränen.

Ich begleitete ihn zum Aufzug zurück und erwartete nicht, dass ich ihn je wiedersehen würde.




Etwa vier Tage darauf lief er mir auf einer Straße in Chicago wieder über den Weg.
Er war völlig verwandelt!

Er marschierte schnellen Schrittes, das Kinn in einem Fünfundvierzig-Grad-Winkel nach vorne gestreckt.
Er hatte sich völlig neu eingekleidet und strahlte Erfolg aus.
Als er mich erblickte, kam er auf mich zu und streckte mir seine Hand entgegegen.

Er sagte: "Mr. Hill, Sie haben mein Leben umgekrempelt. Sie haben mich vor mir selbst gerettet, indem Sie mich mir selbst vorgestellt haben! - meinem wahren Selbst, das ich vorher noch nicht kannte!

Ich werde Sie wieder aufsuchen, dann aber als ein erfolgreicher Mann".


Als er in der Menschenmenge verschwand, fragte ich mich, ob ich ihn wirklich nochmals wiedersehen würde und ob er es definitiv schaffen würde. Ich hatte darauf keine Antwort.

Doch er schaffte es tatsächlich. Wenn ich seinen Namen erwähnte, würden Sie ihn sofort wiedererkennen. Sie haben mit Sicherheit in der Zeitung von diesem Mann gelesen, denn er steht jetzt an der Spitze eines landesweit bekannten Unternehmens.

Ich werde versuchen, ihn dazu zu bewegen, dass er seine Lebensgeschichte in einer Zeitungskolumne selbst erzählt.
Das wird Millionen von Menschen Auftrieb geben, die den Glauben an sich verloren haben ...."


Aus Napoleon Hill's Golden Rules




Band I:

Lektion 1 bis 5:



Band II:
Lektion 6 bis 11:



Band III:
Lektion 12 bis 16: