Wie ich auf dieses System kam
Der Auslöser, ein auf 100 Tage ausgerichtetes Zielerreichungssystem zu erstellen, liegt etwa fünf oder sechs Jahre zurück. Damals hörte ich von einem Motivationsredner erstmals über einen Mann namens John Goddard, der aufgrund seines erstaunlich abenteuerlichen Lebens als der "leibhaftige Indiana Jones" bekannt wurde.
In der Tat kann Goddard auf das vielgestaltigste und wunderbarste Leben zurückblicken, das man sich vorstellen kann (die Geschichte erfahren Sie gleich), was mich aber am meisten faszinierte, war die Tatsache, dass so ziemlich alles, was er in seinem Leben erreichte, auf eine so genannte "Lebensliste" zurückzuführen war.
Darüber, wie seine Liste zustande kam, gibt es eine Vielzahl von Geschichten und ich muss gestehen, dass ich mir selbst nicht hundertprozentig sicher bin, welcher dieser Storys zu glauben ist, dennoch möchte ich Ihnen hier eine mir bekannte Geschiche zum Besten geben:
Als John fünfzehn Jahre alt war, bekam er eines Tages Probleme in der Schule. Offenbar nichts Ernsthaftes, aber doch schlimm genug, um sich disziplinarische Maßregelungen einzuhandeln und sich eine Strafpredigt anhören zu müssen.
Der Lehrer machte John klar, dass er sich "endlich klar werden sollte, was du willst, weil sonst nie was aus dir wird," und sandte den Jungen dann nach Hause.
Zu Hause bliebt John nichts anderes übrig, als seinen Eltern das Vorgefallene zu beichten, was ihm prompt eine weitere Schelte einbrachte, da "Leute, die in der Schule unangenehm auffallen und nicht aufpassen, ein Leben als Taugenichtse" vor sich hätten.
So zumindest habe ich die Geschichte von diesem Redner gehört. John musste sich also als einem Tag zweimal Vorhaltungen gefallen lassen. Das war nun offenbar doch zu viel für ihn.
Er musste also Aktivität entfalten und allen zeigen, dass er durchaus im Stande war, alles zu erreichen, was er sich vorgenommen hatte und das verwirklichen konnte, was er wollte.
Um erfolgreich zu werden, brauchte er von niemandem eine Erlaubnis einzuholen und würde es auch niemandem gestatten, ihm sein Scheitern zu prophezeien.
John Goddard entschloss sich noch am selben Tag dazu, sein eigenes Drehbuch für das Leben zu schreiben und sich von niemandem Begrenzungen einreden zu lassen.
(Wie wir noch sehen werden, ist ein klares Ziel ein alles entscheidender Faktor bei der Zielerreichung).
John schnappte sich also ein Ringbuch und ein paar Stifte, schloß sich in seinem Zimmer ein und ...
fing zu schreiben an.
Und er schrieb und schrieb und schrieb ...
Und so verbrachte John den restlichen Nachmittag bis in den Abend hinein damit, sich das Leben "auszumalen", von dem er wusste, dass er es sich schaffen konnte. Nach dieser heldenhafte Phantasiereise hatte John Goddard, ein fünfzehnjähriger Schüler, das Drehbuch für sein Leben und seine Träume fertig gestellt.
An diesem Nachmittag erstellt John eine Liste, die aus 127 absolut erstaunlichen Zielen bestand. Ziele der folgenden Art:
Erkunden:
1. Den Nil 2. den Amazonas 3. den Kongofluss 4. den Colorado River 5. den Jangtse 6. den Nigerfluss 7. den Orinoco in Venezuela 8. den Rico Coco in Nicaragua
Eingeborenenkulturen studieren:
9. im Kongo 10. in Neuguinea 11. in Brasilien 12. in Borneo 13. im Sudan (wobei er beinahe im Sandsturm begraben wurde) 14. in Australien 15. in Kenia 16. auf den Philippinen 17. in Tanganyika (jetzt Tansania) 18. in Äthiopien 19. in Nigeria 20. in Alaska
Besteigen:
21. den Mount Everest 22. den Cerro Aconcagua in Argentinien 23. den Mount McKinley 24. den Huascarán in Peru 25. den Kilimandscharo 26. den Ararat 27. den Mount Kenya 28. den Mount Cook 29. den Popocatépeti 30. das Matterhorn 31. den Mount Rainier 32. den heiligen Berg Japans, Mount Futschi 33. den Vesuv 34. den Bromo auf Java 35. den Grand Teton 36. den Mount Baldy in Kalifornien. 37. eine Laufbahn als Mediziner und Forschungsreisender (schloß ein Studium der Vormedizin ab und behandelte Krankheiten in Eingeborenenstämmen)
38. jedes Land auf der Erde besuchen (es fehlen ihm noch 30) 39. die Navaho- und Hopi-Indianer studieren 40. ein Flugzeug fliegen lernen 41. bei der Rose Parade mitzureiten
Fotografieren:
42. die Iguaçu-Wasserfälle 43. die Viktoriafälle (wobei er von einem Warzenschwein gejagt wurde) 44. die Sutherland-Fälle in Neuseeland 45. die Yosemite-Fälle 46. die Niagarafälle 47. den Spuren von Marco Polo und Alexander des Großen folgen
Unterwasserexpeditionen:
48. die Korallenriffe Floridas 49. das Great Barrier Reef in Australien (wobei er eine 135 Kilo schwere Muschel fotografierte) 50. das Rote Meer 51. die Fidschi-Inseln 52. die Bahamas 53. den Okefenokee-Sumpf
Besuchen:
54. den Nord- und den Südpol 55. die chinesische Mauer 56. den Panama- sowie den Suezkanal 57. die Osterinsel 58. die Galapagos-Inseln 59. den Vatikan 60. das Tadsch Mahal 61. den Eiffelturm 62. die Blaue Grotte 63. den Tower of London 64. den schiefen Turm von Pisa 65. den heiligen Brunnen von Chichén Itzá 66. den Ayers Rock in Australien erklettern 67. dem Jordan vom See von Galiläa bis zum Toten Meer folgen
Schwimmen:
68. im Viktoriasee 69. im Oberen See 70. im Tanganjikasee 71. im Titicacasee 72. im Nicaraguasee
Erreichen:
73. ein Eagle Scout werden (= höchste Ausbildungsstufe der Boy Scounts 74. in einem U-Boot mitfahren 75. Auf einem Flugzeugträger landen und von dortaus starten 76. in einem Luftschiff, Ballon und Segelflugzeug fliegen 77. einen Elefanten, ein Kamel, einen Strauß und ein Wildpferd reiten 78. Zwölf Meter tief tauchen und den Atem zweieinhalb Minuten lang unter Wasser anhalten 79. Einen zehn Pfund schweren Hummer und ein 20 cm langes Sehohr fangen 80. Flöte und Geige spielen 81. 50 Worte pro Minuten tippen 82. Einen Fallschirmsprung machen 83. Wasserski und Skifahren lernen 84. eine Mission besuchen 85. den John-Muir-Fernwanderweg abwandern 86. Naturmedizin studieren und nützliche medizinische Erkenntnisse zurückbringen 87. Kameraaufnahmen von Elefanten, Löwen, Nashörnern, Geparden, Büffeln und Walen machen 88. Fechten lernen 89. Ju Jitsu lernen 90. einen Hochschulkurs geben 91. einer Einäscherungszeremonie auf Bali beiwohnen 92. Die Tiefen des Meeres erforschen 93. In einem Tarzan-Film mitspielen (dies betrachtet mittlerweile als hinfälligen Klein-Jungen-Traum) 94. Ein Pferd, einen Schimpansen, einen Geparden, ein Ozelot und einen Koyoten besitzen (es fehlen nur noch der Schimpanse und der Gepard) 95. Amateurfunker werden 96. Ein eigenes Teleskop bauen 97. Ein Buch schreiben (über die Nil-Reise) 98. einen Artikel im National Geographic veröffentlichen 99. Eineinhalb Meter Hochsprung 100. Vier Meter fünfzig Weitsprung
101. In fünf Minuten eine Meile laufen 102. 80 Kg wiegen (noch immer) 103. 200 Liegestützen machen und sich zwanzig Mal an den Händen hochziehen 104. Französisch, Spanisch und Arabisch lernen 105. Auf der indonesischen Komodoinsel Drachenechsen studieren (Das Boot zerbrach 25 km vor der Insel) 106. Den Geburtsort seines Großvaters Sorensen in Dänemark aufsuchen 107. Den Geburtsort seines Großvaters Goddard in England aufsuchen 108. Als Matrose auf einem Frachter anheuern 109. Die gesamte Encyclopaedia Britannica lesen (hat wesentliche Teile jedes Bandes gelesen) 110. Die Bibel von Anfang bis Ende lesen 111. Die Werke von Shakespeare, Platon, Aristoteles, Dickens, Thoreau, Burroughs, Talmage, Tolstoi, Longfellow, Keats, Poe, Bacon, Whittier und Emerson (teilweise) lesen 112. Mit dem Kompositionen von Bach, Beethoven, Debussy, Ibert, Mendelssohn, Lalo, Liszt, Rimski-Korsakow Respighi, Rachmaninoff, Paganini, Strawinsky, Toch, Tschwaikowsky und Verdi vertraut werden 113. den Umgang mit dem Flugzeug, dem Motorrad, dem Traktor, dem Surfboard, dem Gewehr, der Pistole, dem Kanu, dem Mikroskop, dem Fußball, dem Basketball, mit Pfeil und Bogen, dem Lasso und dem Bumerang erlernen 114. Musik komponieren 115. Au claire de la lune auf dem Klavier spielen 116. Einem Feuerlauf zusehen (auf Bali und Surinam) 117. Eine Giftschlange melken (wurde bei Fotoaufnahmen von Diamantklapperschlange gebissen). 118. Mit einem 0.22-Kaliber-Gewehr ein Streichholz anzünden 119. Ein Filmstudio besuchen 120. Die Cheops-Pyramide besteigen 121. Mitglied des Explorer's Club sowie des Adventure's Club werden 122. Polo spielen lernen 123. Zu Fuß und per Boot den Grand Canyon erkunden 124. Den Globus umsegeln (vier Mal) 125. Den Mond besuchen ("Eines Tages, so Gott will") 126. Heiraten und Vater sein (hat fünf Kinder) 127. Das 21. Jahrhundert erleben.
Die wenigen Ziele, die er bisher nicht erreicht hat, sind rot markiert. Wie Sie sehen können, war John mit einer blühenden Phantasie gesegnet. Er hatte sich seine Ziele klar überlegt und konnte sie sich auf seiner inneren Leinwand vorstellen.
Er wusste genau, was er im Leben erreichen wollte.
Nun werden Sie an dieser Stelle vielleicht mit den Achseln zucken, nach dem Motto: "Diese Listenprozedur kenne ich schon; das heißt noch lange nicht, das man das auch erreicht." Und wissen Sie was? Sie haben völlig Recht! Aber John Goddard hatte nicht irgendeine Liste erstellt, er hatte damit seinen Hoffnungen und Träumen Ausdruck verliehen. Das waren nicht irgendwelche Dinge, die er halt wollte, es waren Dinge, die er über den geistigen Schöpfungsprozess haben musste!
Warum dieser Punkt so wichtig ist, werden wir an späterer Stelle eingehend behanden, momentan ist es wichtig, dass Sie sich vom ...
sollen zum müssen
bewegen.
Zurück zur Geschichte ...
Im Laufe der nächsten vierzig Jahre hat John Goddard über 100 der Ziele erreicht, die er als Fünfzehnjähriger festlegte. Er hat Herausforderungen gemeistert, von denen jede für sich bereits für die meisten von uns unvollstellbar wäre - geschweige denn, gleich ein ganzes Bündel davon!
Aber damit nicht genug!
John Goddard, dieser leibhaftige Indiana Jones, setzte noch weitere 400 Ziele obendrauf und wurde so zu einem der welterfahrensten Männer auf unserem Planeten.
Und alles fing mit einer Liste an!
Als ich das erste Mal von diesem Mann hörte, war ich inspiriert.
Hier war jemand, der Ernst gemacht hatte, jemand, der das umgesetzt hatte, was er sich vorgenommen hatte. Er hielt das Wort, das er sich selber gegeben hatte und gab sich nicht mit einem bequemeren Leben ab.
Tag für Tag bewegte sich dieser Mann vierzig Jahre lang in die Richtung seiner Träume und erreichte damit Dinge, die in normalen Stunden nicht vorstellbar waren - So wie es Henry David Thoreau bereits einmal beschrieben hatte.
Eine Zeitlang wollte ich ihm nacheifern und selbst solche Erfolge erringen. Ich bewunderte die Geduld und Ausdauer dieses Mannes, zumal ich damals ein eher ungeduldiger Mensch war.
Aber - ich wollte nicht 40 Jahre lang auf meinen Erfolg warten. Ich wollte den Erfolg jetzt oder zumindest doch ziemlich bald.
Falls Ihnen das jetzt ebenso ergeht, kann ich das gut nachempfinden. Einerseits inspiriert, aber andererseits eingeschüchtert ob der langen Zeit, die es braucht, um solche außergewöhnlichen Dinge zu erreichen.
Wie gesagt, wollte ich meine Ergebnisse wesentlich schneller erzielen. Aber - wie konnte ich dabei vorgehen?
Immerhin hat Goddard ein Leben lang gebraucht; wenn es einen schnelleren Weg gäbe, wäre mir das sehr recht. Warum nicht ein paar Jahre einsparen?
Aber so richtig schnell - kann denn das überhaupt gehen?
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