Die Offenbarung
eines Eingeweihten



Eine klassische Erzählung vom
Geheimnis des Erfolgs

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Kapitel 5


Mir blieb mir jetzt nicht anders mehr übrig als es mir so gut einzurichten, wie es eben möglich war, ungeduldig wartend und hoffend, während mein Freund wieder seine frühere Beschäftigung aufnahm. Aufgrund seiner Verschwiegenheit wussten wir nur wenig über seine Geschäfte, auch wenn wir ihn einige Male im Club trafen. Bei diesen Gelegenheiten brachte jedoch keiner von uns den Mut auf, ihn daraufhin anzusprechen, und von sich aus machte er auch keine entsprechenden Anstalten.

Es dauerte allerdings nicht lange und seine Geschäfte nahmen derartige Ausmaße an, dass er einige seiner Freunde mit einschalten musste. Einer davon war ich. Und so erfuhr ich, in welchen Größenordnungen er sich bewegte.

Ich befürchtete, dass solche Erfolge auf Dauer nicht bestehen könnten und versuchte, ihn zu größerer Vorsicht zu überreden. Sicherlich würde das Kartenhaus eines Tages einstürzen und er müsste ein weiteres Mal von vorne anfangen. Doch davon wollte er nichts hören:

«Tom, mach dir über mein Wohlbefinden keine Sorgen. Ich gehe nach einem unbeirrbaren Gesetz vor. Wenn du die Quadratmeter in diesem Raum ermitteln willst, nimmst du die zwei Dimensionen und nach einem mathematischen Grundsatz erhältst du ein bestimmtes Ergebnis. Du würdest von Anfang an davon ausgehen, dass dieses Rechenergebnis stimmt. Und mit meiner Arbeit verhält es sich genauso! Ich weiß das Ergebnis von Anfang an».

Es schien ihn in der Tat nichts aufhalten; er erzielte einen Erfolg nach dem anderen. Seine andauernde Energie und Vitalität schienen nie zu erlahmen und die Dynamik, mit der er jede Situation meisterte und allen Hindernissen trotzte, mutete schon übermenschlich an. Auf den wenigen gesellschaftlichen Anlässen, an denen er teilnahm, machten ihn seine magnetische Persönlichkeit und der Nimbus, mit dem sein Name umgeben war, zum Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Aufgrund seines Wunsches, Aufhebens zu vermeiden, bekam ich ihn längere Zeit gar nicht mehr zu Gesicht und da ich auch vom Eingeweihten keinerlei Nachricht erhalten hatte, hatte ich mich schon in mein Schicksal gefügt - als mich eines Tages sein Sekretär anrief: Es befände sich ein Brief in seinem Büro, der mich sicherlich interessieren würde.

Ich ließ alles liegen und stehen und machte mich sogleich auf den Weg. Der Brief, auf dem Papier eines bekannten Hotels geschrieben und an ihn adressiert, enthielt folgende Nachricht: „Durch wichtige Geschäfte aufgehalten. Bedauere, dieses Mal von einem Besuch Abstand nehmen zu müssen“. Er trug die Unterschrift: „Ihr Freund“.

Endlich war meine Chance gekommen. Das Hotel war zwar mein einziger Anhaltspunkt, aber er dürfte ausreichen. Hastig rief ich meine drei interessierten Partner zusammen und wir reisten noch am selben Abend nach Osten ab, auf der Suche nach dem Eingeweihten und sein „Geheimnis“. Nach unserer Ankunft im Hotel suchten wir sofort den Direktor auf und schilderten ihm unser Anliegen. Er wusste sofort Bescheid und teilte uns mit, dass es der Eingeweihte aufgrund der großen Menschenmenge, die das Hotel förmlich belagerten, vorgezogen habe, wieder abzureisen. Leider könne er uns keine weitere Adresse geben. Über mehr Informationen verfüge er nicht.

Wieder einmal war ich betrübt und niedergeschlagen. Sollte ich dieses „Geheimnis“ wirklich niemals finden? Meine Zuversicht hatte sich jählings wieder aufgelöst. Aber zumindest hatten wir eine ziemlich gute Beschreibung von ihm und beschlossen deshalb, mit unserer Suche fortzufahren. Wir trennten uns, da uns dies die effizientere Vorgehensweise schien. Aber auch am Abend des fünften Tages waren wir noch keinen Schritt weitergekommen. An diesem Abend saß ich alleine in der Vorhalle des Hotels, nachdem sich meine Partner bereits zurückgezogen hatten. Ich hatte eine Stunde lang versucht, sie doch noch zum Weitermachen zu überreden. Vergebens. Ich aber wollte mich nicht geschlagen geben, wenn nötig, würde ich mein Lebtag lang weitersuchen.

So saß ich also alleine in einem abgeschiedenen Winkel der Vorhalle, als meine Gefühle plötzlich von völliger Mutlosigkeit in Euphorie umschlugen. Irgendwie wusste ich, dass meine Suche zu Ende sei und während ich noch darüber nachgrübelte, spürte ich hinter mir irgendeine Präsenz. Ein Hand berührte meine Schulter. Ich stand auf, wandte mich um und sah in das beeindruckendste Gesicht, das ich je gesehen hatte. Und die Augen erst! Sie funkelten wie Juwelen. Die Stimme sagte: «Suchen Sie mich?» Worauf ich sofort antwortete: «Ja!». Ich wusste, dass er es war!

Ich will mich jetzt nicht in den Ursachen für unser Treffen verlieren, aber während eines ausführlichen Gesprächs, in dem er mir erklärte, dass seine Zeit so ausgefüllt sein, dass er mir diesmal keine Instruktionen geben könne, dass er bei diesem Abstecher in dieses Land nicht einmal Besucher empfangen würde, er mich aber bei seinem nächsten Besuch instruieren würde, rief ich voller Inbrunst aus, dass ich ihn aber verzweifelt brauchen würde. Schließlich hätten wir Tausende von Meilen zurück gelegt, um von seiner Weisheit zu lernen und mir wäre kein Opfer zu hoch, um nur einen kleinen Teil seines Wissens zu erlangen. Meine Verzweiflung und die Dringlichkeit meines Wunsches schienen sein Mitgefühl erweckt zu haben. Jedenfalls erklärte er sich bereit, uns am nächsten Morgen in seinem Appartement zu empfangen.




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